Germanische Glaubens-Gemeinschaft - GGG
Das Bekenntnis


In einem Brief an Otto Sigfrid Reuter vom 12. 2. 1912 hatte Ludwig Fahrenkrog für die junge "Deutsch-religiöse Gemeinschaft" (die sich 1913 in "Germanische Glaubens-Gemeinschaft" umnannte) sechs Glaubenssätze vorgeschlagen:

>Es handelt sich nur darum, die einfachsten, notwendigen Sätze zu finden, woraufhin man sich eint. Gewissermaßen Glaubensbekenntnis - doch darf kein erstarrendes Dogma drin sein. Ich habe versucht, 6 Sätze zu finden. Viel brauchen wir nicht. Sie müssen aber an sich unbestreitbar wenigstens für den Intelligenten sein. Hier sind sie:

1). Ich bin körperlich und geistig ein Teil des Weltalls,

2). Ich bin auch der andere (folgt aus 1.),

3). Ich habe die Wahrheit zu suchen, anzuerkennen und zu fördern (gewährleistet den Fortschritt),

4). Die natürliche Grundlage meines Wesens sind meine (deutschen) Väter,

5). Ich bin Gegenwart (diese habe ich zu erfüllen),

6). Die natürliche Fortsetzung meines Wesens sind meine Kinder.<


Für die Tagung unserer Gemeinschaft am Hermannstein bei Bad Wildungen, 1912, schlug Fahrenkrog vor:

>1. Ich bin. Ich achte mich und suche meinen Weg zur Wahrheit. Ich bin ein Teil des Alls. D. i. alle Erkenntnis beginnt im Ich. Ich bin das Sein. Gott suchen - die und meine Wahrheit suchen, und meinen Weg dahin gehen, ist der religiöse Wille.

2. Du bist. Du bist nichts anderes als ich; denn alles Leben entstammt gemeinsamer Urquelle. Du bist Gegensatz und rgänzung. Ich und Umwelt. Ich und Du. Du bist das Außer-Mir. Zunächst Zustand der Erkenntnis des Tiermenschen. Erst wenn ich den Andern als derselben Urquelle entstammt erkenne, komme ich aus dem Gegensatz, der Kampfstellung zur Gemeinsamkeit, zur religiösen Du-tellung und Betätigung.

3. Es ist. Das All ist in mir und ich bin im All. D. i. sage ich: Ich bin Du, so bin ich auch das All. D. i. ich bin nicht nur ein Du. Alle Dinge sind derselben Urquelle entstammt. Es ist kein Unterschied zwischen Gott - All - oder Menschenseele. Der Mensch ist ein Teil des Ganzen - eine Besonderheit. Und doch Gott.

Wem diese drei Ursätze nicht selbstverständlich sind, der ist nicht eigentlich religiös. Es sind Hinweise auf Ursächlichkeiten. Glaube oder Dogma kommt dabei nicht in Betracht.<


Auf diese oder ähnliche Sätze konnte man sich damals nicht einigen, so daß es zur Abspaltung der heutigen "Deutschgläubigen Gemeinschaft" kam. Fahrenkrog hatte schon 1906 in "Geschichte meines Glaubens" (Halle a. d. Saale), 1907/08 in den drei "Germanentempel"-Aufsätzen (in der Zeitschrift "Der Volkserzieher") und im Drama "Baldur" (1908) die Hauptsätze der GGG gefunden:

>Gott in uns -

Das Gesetz in uns -

Erlösung durch uns-Selbsterlösung<


Sowie den weiteren Satz:

>Deine Tat bist Du<.

Später änderte Fahrenkrog den 3. Satz etwas ab, da die Erlösung eigentlich christlich ist: >Die Erfüllung durch uns<.

Diese Hauptsätze standen auch unter dem Titelkopf jeder Ausgabe des "Germanen-Glaube".

In Fahrenkrogs Werk "Das Deutsche Buch" (Berlin 1921) ist das bis heute aktuelle Bekenntnis der Germanischen Glaubens-Gemeinschaft enthalten, das aus 10 Sätzen besteht. Gegenüber der Altfassung ist lediglich 1992 der Begriff "Allgeist" durch "Kräfte des Alls" oder "Götter" ersetzt. Es sei dabei aber angemerkt, daß daß die GGG von ihren Mitgliedern nicht verlangt, sich zu diesen Sätzen zu bekennen: Glaubenszwänge (Dogmen) lehen wir ab. Heute kann uns unser GGG-Bekenntnis aber dennoch Anregung zum Nachdenken über den Sinn allen Daseins und unsere eigene Stellung im Kosmos sein:

>1. Wir bekennen uns zu den Kräften des Geistes und des Lebens, die das All durchdringen und uns.

2. Und erkennen im All formbildende Kräfte des Lebens, welche die Mannigfaltigkeit aller Erscheinungen bedingen, und anerkennen daher auch alle Sondererscheinungen in ihrer Naturnotwendigkeit als Offenbarungen der Kräfte des Leben.

3. Da aber die Wahrheit und der Sinn ihres Daseins ebenso naturnotwendig in den Erscheinungen selber liegt, so ist es auch der Sinn oder die Aufgabe aller rscheinungen, sich zu erfüllen.

4. Also erkennen auch wir den Sinn und die Aufgabe unseres Daseins - als Samenkorn mit uns erstanden und der Erfüllung harrend - in uns liegend.

5. Mithin glauben wir und wissen, daß eine Religion der Germanen nur aus ihnen selbst erstehen kann.

6. Religion ist uns das reine, weltbejahende tat- und erkenntnisfrohe Verhältnis der Seele zu den Wesen des Alls und zu ihren Erscheinungs- und Offenbarungsformen.

7. Unsere Erkenntnis und Erfahrung der Götter als letzte Wahrheiten und Wesenheiten und als in uns und durch uns wirkende Kräfte ist uns zugleich das Wissen um ein sittliches esetz in uns und der Grund unseres Vertrauens auf ihre Führung und die Ursache unseres Glaubens an die hohe Bestimmung der Germanen.

8. Aus solcher Erkenntnis erkeimt uns auch der Wille zum Guten, der Wille zur Reinheit, Wahrheit und Gerechtigkeit, zur Selbsterlösung und zur Selbsterfüllung, und so ersteht uns auch der Wille zur freien, sittlichen Tat bis zur Selbstopferung.

9. Also erblicken wir in der Besinnung auf unser eigenes Wesen als den in uns sich auswirkenden besonderen Erscheinungsformen der Götter und in der Gesund- und Starkerhaltung, der Fort- und Höherentwicklung dieses Wesens zu immer reineren, edleren Formen und Zielen die vornehmste Aufgabe eines jeden Germanen innerhalb wie außerhalb der deutschen Grenzen.

10. Über das Grab hinaus aber schauen wir mit ganzem Vertrauen in die Unendlichkeit, daher wir gekommen sind. Unsere Aufgabe ist dieses Dasein zu erfüllen - sie zu bestimmen ist das Recht und die Kraft der Götter, die das All durchdringen und uns, in Zeit und Ewigkeit.<


Verbindlich im Gegensatz zu diesem Bekenntnis ist für alle Mitglieder die in der Verfassung der GGG enthaltene Zielsetzung (Abschnitt 1, § 1):

>Die Germanische Glaubens-Gemeinschaft ist eine religiöse Vereinigung zur Wahrung, Förderung und Verbreitung des überlieferten und durch Forschungen erschlossenen germanischen Glaubens und Kultes<.

Der Germanischen Glaubens-Gemeinschaft ist die Germanische Gemeinschaft angegliedert. Ihr Zweck lautet nach Absatz 4 der Satzung von 1923/24:

>1. Förderung der Germanischen Glaubens-Gemeinschaft;

2. Schutz der religiösen Persönlichkeit und Eintreten für das Recht, den persönlichen Glauben ohne bürgerlche und staatsbürgerliche Schädigung glauben und betätigen zu dürfen;

3. Eintreten in Schrift, Wort und Tat für germanische Weihe und Weisheit in der Lebensführung, in Sitte, Recht, Kunst, Arbeit, Sprache, Tracht und Schriftart;

4. Verbreitung der Kenntnis unserer germanischen Schriften und Überlieferungen des Glaubens und der Weihe.<



Das Vereinssymbol

Als Zeichen gebrauchte unsere Gemeinschaft seit 1908 die Swastika, z. B. im Titelkopf der Zeitschrift "Der Volkserzieher". Auch unsere Schwestergemeinschaft, die "Deutschgläubige Gemeinschaft" verwendete dieses Zeichen, selbst Guido von List benutze die Swastika als Zeichen seines Heidentums. Im Dritten Reich wurde der GGG die Verwendung dieses Zeichens vom NS-Staat verboten, so daß es durch das geschlossene Sonnenrad (Radkreuz) ersetzt werden mußte. Etwa ab 1911/12 wurde vor die Swastika oder Sonne der Donarshammer gestellt. Der Hammer ist dabei Weihesymbol der "Weihwarte" (alte Bezeichnung der GGG-Priester) und steht für "die Tat". Die Swastika ist gleichfalls ein Symbol des Hammers (Hamarsmark), wurde aber auch als Sonnensymbol aufgefaßt, wie auch das durchgezogene Radkreuz. Es symbolisiert also "das Licht". Im Zeichen ist also ausgedrückt: Durch die eigene Tat zum Licht. Gleichzeitig sind es heilige Symbole der Götter Donar/þórr (Hammer) und Phol/Baldur (Sonnenrad).


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