Ausgewählte Artikel aus dem "Germanen-Glaube"
Von Allsherjargode Géza von Neményi
Als die Germanen im 3. oder 4. Jh. zu ihrer eigenen siebentägigen Woche die römischen Planetenzuordnungen übernahmen, fanden sie für jeden römischen Planetengott eine germanische Entsprechung, nur für den Saturn nicht. Der Name blieb deswegen unverändert stehen (wie noch heute in England: Saturday) oder es wurde eine ganz andere Bezeichnung (Laugartac = Badetag; vielleicht auch auf Loki zu beziehen) gewählt. Es stellt sich die Frage, warum man nicht damals den Saturn mit Fro/Freyr ersetzt hat, wie es spätere Quellen tun.
So finden wir z. B. folgenden Text in der Trójumanna saga Kap. 1, einer altnordischen Übersetzung vom Ende des 12. Jh. einer lateinischen Vorlage:
>In den Tagen Josuas, der nach dem Tod des Moses gemäß dem Willen Gottes Anführer des jüdischen Volkes in Jorsalaland war, wurde im Jordanischen Meer auf einer Insel namens Kreta ein Mann namens Saturn geboren, den wir jedoch Freyr nennen. Während der ersten Hälfte seines Lebens war er kein mächtiger, aber doch ein kluger und scharfsinniger Mann. Sein Bruder hieß Titan; er hatte zahlreiche Söhne. Saturn bemerkte, wie sehr sich das Ansehen der Menschen, die ein Vermögen besaßen, von dem derjenigen unterschied, die gar nichts oder nur wenig besaßen. Nun strebt er danach, mit Hilfe seines Verstandes ein Vermögen anzusammeln ... Er hatte drei Söhne, Jupiter, Neptun und Pluto. Jupiter liebte er am meisten von ihnen. Nun war Saturn so wohlhabend geworden und sein Ansehen war so sehr gewachsen, daß man ihn zum König wählte. Er war beliebt und freigebig und ließ auf der Insel Goldmünzen in Umlauf setzen. Als sich sein Ansehen so rasch mehrte, nannten die Heiden das Gebiet, über das er herrschte, Goldheim<
Der Grund ist der Unterschied zwischen dem astrologischen Saturn und dem Gott Saturn. Der astrologische Saturn ist nämlich im Altertum das „große Unglück“, der kalte, dunkle Titan, vor dem man sich fürchtet. Ganz anders als Freyr oder der Gott Saturn. Zu den Wochentagsnamen wurden aber eindeutig die astrologischen Planetengötter zugeordnet (die 7 Wochentage mit den Namen der 7 Planeten), also dem Sonnabend der astrologische Saturn, nicht der mythologische. Aus diesem Grunde bestand keine Klarheit, ob man Saturn eher mit Freyr (Ingwaz) übertragen sollte, um damit der Bedeutung des Gottes Saturn zu entsprechen, oder ob man ihn z. B. mit Óðinn ersetzen sollte, um damit dem Saturn als Planet zu entsprechen.
In der isländischen Breta sögur, die eine altnordische Übersetzung von Geoffrey of Monmouth ist, wird Saturn indirekt mit Óðinn, Jupiter mit Þórr gleichgesetzt:
>Sie stießen auch auf einen alten und großen Tempel, in dem sich Statuen von Gefjon, Saturn und Jupiter befanden ... und als sie in den Tempel kamen, entfachten sie drei Feuer: Eines für Óðinn, ein zweites für Þórr, das dritte für Gefjon.<
Hier entspricht also Óðinn dem Saturn, aber auch diese Zuordnung paßt nicht gut zum astrologischen Saturn, da Óðinn wohl kaum als „großes Unglück“ im Horoskop erscheinen kann. Außerdem ist bereits der Planet Merkur dem Óðinn zugeordnet.
Immerhin zeigt die Tatsache, daß der Wochentagsplanet Saturn nicht durch den Gott Ing-Fro/Yngvi-Freyr ersetzt wurde, daß es auch unsern Vorfahren darauf ankam, die astrologische Bedeutung des Saturn zu übernehmen. Wäre ihnen die Astrologie unbekannt oder uninteressant, hätten sie ja ohne weiteres den Tag nach dem Gott Freyr benennen können.
Ursprünglich ist Saturn eine etruskische Gottheit, die Etrusker wahren die ersten, die die Gegend um Rom besiedelten. Eine etruskische Gravur zeigt „Satre“ mit Flügeln, die Sichel in seiner Hand liegt auf einer Kugel. Er wurde von den Römern übernommen und später mit dem griechischen Kronos identifiziert. Saturn ist Gott der Saat, des Obst- und Weinbaus. Nach ihm wurde Latium auch "Land des Saturns" genannt, da der Boden dort sehr fruchtbar ist. Oftmals wurde Saturn auch mit einer Krähe, dem Vogel des Orakels, dargestellt.
Ähnlich wie der Vanengott Freyr, der kein Ase ist, ist auch Saturn kein olympischer Gott, sondern gehört zu den Titanen. Nachdem Saturn von Jupiter gestürzt wurde, reiste Er nach Latium und fand beim doppelköpfigen Schutzgott Janus, der nach einer Lesart Saturns Sohn ist (nach anderer sind Uranus-Coelus oder Apollon Janus Väter), freundliche Aufnahme. Er ließ sich auf dem Capitol nieder, gab den dort lebenden Menschen Gesetze, und begründete so zusammen mit Janus eine neue Herrschaft - Saturnia regna, das neue goldene Zeitalter.

Antike Saturndarstellung mit Sichel.
Janus wohnte auf dem Ianiculum, einem Hügel Roms auf dem rechten Tiberufer. Saturn lehrte ihn Ackerbau, Münzprägung und Schiffsbau.
Von dem Kampf mit Jupiter um die Herrschaft berichtet auch die Tróamanna saga:
>Jupiter fand das Leben der Bevölkerung zu bequem und das Reich seines Vaters zu groß. Er beneidete ihn darum und bot den Fürsten Geld, damit sie den König stürzten. Sie nehmen das Geld an und ergriffen Partei für Jupiter, der seinen Vater vor die Wahl stellt, entweder auf die Herrschaft zu verzichten, oder zu kämpfen. Jupiter hatte sich schon zuvor einen großen Teil des Reiches unterworfen. Saturn meint, seine Söhne seien zu unabhängig gewesen und er habe ihnen zu große Lehen überlassen. Er flieht bis nach Italien und unterweist dort zunächst die Leute im Ackerbau.<
In der Funktion von Saturn als Gott des Ackerbaus und der Münzprägung (also wohl des Reichtums) entspricht Er ganz dem Gott Freyr, über den es in der jüngeren Edda heißt (Gylfaginning 24):
>Njörður in Nóatún zeugte seitdem zwei Kinder. Der Sohn hieß Freyr und die Tochter Freyja. Sie waren schön von Antlitz und mächtig. Freyr ist der berühmteste unter den Ásen. Er herrscht über Regen und Sonnenschein und das Wachstum der Erde und ihn soll man anrufen um árs (gutes Erntejahr) und Frieden. Er herrscht auch über das fé-sælu (Reichtumsglück) der Menschen.<
Einmal beging Freyr die Vermessenheit, Sich auf Óðins Hochsitz (also eigentlich: Thron) zu setzen, wie es die Skirnisför und Gylfaginning 37 erzählen. Erinnert das an den Saturn, der als Angehöriger des älteren Göttergeschlechtes der Titanen die Herrschaft im Himmel beanspruchte und von Zeus gestürzt wurde?
Jedenfalls ähnelt der Sturz des Saturn durch Jupiter dem Sturz Satans durch Gott, wie es die altchristlichen Mythen erzählen. Die Namensähnlichkeit Satan/Saturn mag hier mit ausschlaggebend gewesen zu sein, diesen antiken heidnischen Mythos zu übernehmen.
Als Saturns Gattin wurde im römischen Pantheon zunächst die Göttin Lua genannt. Lua stammt von „luo“, das ursprünglich „lösen“ bedeutete, später „büßen, sühnen, durch Buße abwenden“. Auch „lucrum“ (Gewinn, Vorteil) wird als Wortwurzel angegeben. Lua galt als Göttin der Versöhnung, als Lua Mater verbrannte man ihr zu Ehren die Waffen der geschlagenen Feinde. Lua wird gelegentlich auch als Saturns Tochter aufgeführt. Die am häufigsten zitierte Gattin Saturns ist Ops (Rhea oder Cybele), eine Göttin der Fruchtbarkeit und des Erntesegens. Ops bedeutet „Macht, Kraft, Stärke, Beistand“ (im Plural auch im politischen Kontext, also Streitkräfte). Weiterhin wird auch das Wort „opus“ als Übersetzung angegeben, welches „Werk (Bauwerk, Kunstwerk), Arbeit/Landarbeit/Handarbeit, Mühe, Anstrengung“, oder „Tat“, bzw. „Handlung“ bedeuten kann. Zu Ehren der Ops wurde am 23. August das Erntefest Opiconsivia gefeiert, und am 19. Dezember die Opalia. Dieses Fest bildete auch das feierliche Ende der Saturnalien.
Die Saturnalien fanden jährlich vom 17. Bis zum 19. Dezember statt, unter Tiberius kam noch ein vierter, unter Caligula ein fünfter Tag hinzu. Schließlich wurde das Fest immer vom 17. bis zum 23. Dezember gefeiert (damals noch der Tag vor der Wintersonnenwende). Am 17., 19., 21. und 23. wurden die Götter gefeiert, die Tage dazwischen verbrachte das Volk mit karnevalartigen Vergnügungen. An diesen Tagen vertauschten mancherorts Herren und Sklaven die Rollen, man bewirtete sich gegenseitig, die Armen wurden von den Reichen beschenkt, die Armen selbst verschenkten Disteln und Lorbeerblätter, entgegen allgmeiner Verbote durfte an diesen Tagen auch um Geld gewürfelt werden. Auf dem Markt kaufte man kleine Geschenke für Freunde und Familie, die sog. sigillaria (kleine Tonfiguren), auch Bäume und Sträucher wurden mit Sigillaria und Kerzen geschmückt.
Die offiziellen Feiern wurden am 17. mit einem sacrificium vor dem Tempel des Saturns auf dem Forum Romanum eröffnet, gefolgt von einem conivium publicum, einem Mahl auf Staatskosten. Nach dem Mahl begrüßte man sich mit dem feierlichen Ruf „Io Saturnalia!“ oder „Bona Saturnalia!“. Für die Dauer der Feierlichkeiten wählte man einen saturnalicius princeps, einen Saturnalienfürsten. Am 19. wurde die Opalia gefeiert, am 21. wurde das Divalia zu Ehren der Schutzgöttin der Erde Dia gefeiert (der Name erinnert an das indische Fest Divali), schließlich am 23. Dezember das Larentia, zu Ehren der Göttin Acca Larentia, der sagenhaften Amme der Zwillinge Remus und Romulus, sowie zu Ehren der Laren, den römischen Ahnen- und Feldgeistern, Kinder der Acca Larentia.
Die Saturnalien wurden in Erinnerung an das erste goldene Zeitalter unter der Herrschaft Saturns gefeiert, von dem der griechische Mythos Folgendes berichtet (Gustav Schwab, „Sagen des klassischen Altertums“):
Die ersten Menschen, welche die Götter schufen, waren ein goldenes Geschlecht. Diese lebten, solange Kronos (Saturnus) dem Himmel vorstand, sorgenlos und den Göttern selbst ähnlich, von Arbeit und Kummer entfernt. Auch die Leiden des Alters waren ihnen unbekannt; an Händen, Füßen und allen Gliedern immer rüstig, freuten sie sich, von jeglichem Übel frei, heiterer Gelage. Die seligen Götter hatten sie lieb und schenkten ihnen auf reichen Fluren stattliche Herden. Wenn sie verscheiden sollten, sanken sie nur in sanften Schlaf. Solange sie aber lebten, hatten sie alle möglichen Güter; das Erdreich gewährte ihnen alle Früchte von selbst und im Überflusse, und ruhig, mit allen Gütern gesegnet, vollbrachten sie ihr Tagewerk. Nachdem jenes Geschlecht dem Beschlusse des Schicksals zufolge von der Erde verschwunden war, wurden sie zu frommen Schutzgöttern, welche, dicht in Nebel gehüllt, die Erde rings durchwandelten, als Geber alles Guten, Behüter des Rechts und Rächer aller Vergehungen.<
Es werden dann noch jeweils weitere Geschlechter geschaffen, die sich als undankbar und kriegerisch oder böse erwiesen. Die des 2. Menschengeschlechts wurden Dämonen, die des 3. (aus einer Esche geschaffen) verschwanden in die Unterwelt. Das 4. Geschlecht waren die Heroen, die nach dem Tode die Inseln der Seeligkeit bewohnten, das 5. ist das derzeitige, besonders schlechte Menschengeschlecht.
Diese erste, goldene Zeit, die ja auch die Tróamanna saga erwähnt, findet ihre Entsprechung in einer Schilderung der Ynglinga saga 10:
>Nach Njörðs Tode bekam Freyr die Herrschaft. Er wurde Herrscher der Schweden genannt, und diese zahlten ihm Königsabgaben. Er war allbeliebt und an Glücksjahren reich wie sein Vater. Freyr errichtete einen großen Tempel in Upsala. Dorthin verlegte er auch seine Hauptstadt und ließ in diese seine Einkäufe aus Land und losen Geldern fließen. Damals begann der „Reichtum von Upsala“, der seitdem immer anhielt. Zu seiner Zeit fing der Frðí-Friede an, und damals gab es auch fruchtbare Jahre durch alle Lande. Das alles führten die Schweden auf Freyr zurück, und deswegen verehrte man ihn mehr als die andern Götter, weil zu seiner Zeit das Volk im Lande reicher wurde als je zuvor, infolge des Friedens und der guten Jahre. Gerðr, die Tochter Gymirs, war sein Weib. Beider Sohn hieß Fjölnir. Ein anderer Name Freys war Yngvi. Der Name Yngvi wurde noch lange danach in seinem Geschlecht als Ehrennamen gebraucht, und seine Nachkommen nannten sich später danach Ynglinge<.
Freyr wurde und wird besonders zu Fasnacht, aber auch im Julfest verehrt. Dort wurde ein Eber geopfert, auf den feierlich Gelübde abgelegt wurden. Das geschah, um „gute Ernte und Frieden“ (árs ok friðar) zu erbitten.
In der Kunst wird Saturn in der Regel mit dem Attribut der Sichel dargestellt (siehe Bild), Freyr hingegen eher mit der Ähre (so auf einem Teppich, der in der Kirche von Skog, Hälsingland um 1200, gefunden wurde). Aber es gibt auch eine Darstellung m,mit der Sichel. Auf dem gotländischen Bildstein von Sanda stehen in der Mitte die drei in der Inschrift genannten Brüder, und sie haben die Attribute der Götter Óðinn (Speer), Þórr (Hammer) und Freyr (Sichel) (siehe Bild).
Die folgende Rekonstruktion eines alten römischen Saturnalien-Rituals folgt einer Ausarbeitung der Projektgruppe Praktische Alte Geschichte der Universität Leipzig. Die Texte der Zeremonie sind inspiriert von antiken Quellen und ein klein wenig abgeändert, da dieses Ritual mit Studenten aufgeführt wurde.

Ausschnitt aus dem Runenstein von Sanda,11. Jh.
Dem Gott Saturn wurde auch bei den Römern geopfert, in dem folgenden Ritual geht es nur um das Opfer von symbolischen Dingen. Daß die Germanen dem Freyr zum Julfest einen Eber opferten, auf den sie zuvor feierliche Gelübde ablegten, ist aus vielen Sagas überliefert.
Man verwendet eine stehende Saturn-Statuette (Simulacrum Saturni), die Saturn als alten, lustigen Mann mit einer Sichel als Attribut zeigt und die von Wollfäden (Filum Lanae) gebundene Beine hat, vor der eine Öllampe sowie je ein Schälchen mit Getreide (Hirse) und Geld stehen. An der Seite stehen Kerzen (Cerei), die noch nicht entzündet werden. Auch eine Statuette von Saturns Gemahlin Ops (Ops/Simulacrum), der Erdmutter, ist vorhanden. Sie sollte als freundliche ältere Frau dargestellt sein, außerdem eine Schale mit Erde. Es werden Plätzchen und Sigillaria (Teig- oder Tonfiguren) gefertigt, in eine derartige Sigillaria wird entweder eine Bohne oder eine kleine Münze hineingebacken. Der, welcher diese dann erhält, hat – so die Legenden – im darauffolgenden Jahr besonderes Glück.
Der Priester, der die Zeremonie leitet, begleitet jede Handreichung mit einem Spruch. Er beginnt mit dem folgenden:
>Willkommen zu den Saturnalien! Nun hört den Mythos von Saturns Herrschaft:
Bevor die mächtigen Götter, die die Erde von des Olympus schneebdeckten Gipfeln beherrschten, geboren wurden, war Saturn der König aller Götter und Ops, seine Schwester, war seine Frau und Königin. Aber als die Zeit kam und er seinen Thron abgeben sollte an einen jungen Gott, seinen Sohn, wollte Vater Saturn nicht beiseitetreten. Ein Kampf entbrannte zwischen Alt und Jung, bis Juppiter siegte und Saturn aus dem Himmel auf die Erde verbannte.
Saturn stürzte auf die Erde, und mit seiner Frau baute er ein Schiff und segelte hierher, in unser Land. Er brachte den Menschen nützliche Künste, er lehrte sie die Saat zu bewahren und in den Boden zu säen, so daß wir nicht mehr mühsam nach Nahrung suchen mußten. Er zeigte uns die Tiere zu jagen und zu braten so daß wir allezeit ihr Fleisch und Fell hatten, er zeigte uns die Tiere zu zähmen und mit ihren die fruchtbare Erde zu pflügen. Saturn lehrte die Menschen Münzen zu schlagen von schimmerndem Silber, glänzendem Gold und Bronze. Er lehrte uns das Geld zu bewahren und anzu-wenden. In diesen und anderen Dingen machte Saturn unsere Leben viel einfacher und frei. Seine glückliche Herrschaft wurde das Goldene Zeitalter genannt, als genug Nahrung war für jedermann und die Menschen den Reichtum teilten, den sie besaßen, und keiner jemals stahl oder kämpfte oder log. Aber als das Ende der Herrschaft Saturns kam, entschied er weise, seine Krone beiseite zu legen. Er segelte mit dem Wind weit gen Norden, nach Hyperborea, wo er jetzt schläft, in einem versteckten Eiland am Ende der Welt, wo er auf ein anderes Goldenes Zeitalter wartet. Aber bis diese glückliche Zeit kommt, in dieser, der kältesten Zeit des Jahres, begeben wir uns in Gedanken in Saturns kaltes Reich um zu erwecken den alten freundlichen König, und ihn zu bitten, erneut mit uns zu gehen und für diese kurze Zeit mit uns zu leben, und mit uns zu feiern und zu Ehren das Goldene Zeitalter. Ich wünsche Euch Bona Saturnalia!<
Langsam gießt der Priester das Öl in die Öllampe vor der Saturn-Statue und spricht dabei:
>Als Saturn herrschte, alles war ein Kreislauf und alle Dinge kehrten sich um. Nur einmal jedes Jahr füllen wir diese Lampe mit Öl; sie ist sonst leer, weil Saturn schlafend liegt. Wir nähren ihn mit dem Öl des Getreides, dem goldenen Nektar der Körner. Trinke tief, oh Saturn, von diesem goldenen Öl! Erwidere unser Geschenk und segne unsere heilige Erde!<
Nach einer kurzen Pause wird ein kleines Geldkästchen (Thesaurus) vor eine Statue des Gottes Consi (Consus/Simulacrum) gelegt:
>Saturn hat einen Gehilfen, den Gott des Ackerbaus der die Saat bewacht, Consus ist sein Name, er bewahrt die Dinge tief in der Erde und beschützt die Saat. Von allem was wir ernten bewahren wir einen Teil, um es erneut in die Erde zu legen. Auch einen Teil unseres hart erarbeiteten Geldes bewahren wir auf, um es einen anderen Tag zu benutzen. Und selbst unsere besten Gedanken verbergen wir um sie später ans Licht zu bringen, wenn sie wachsen und gedeihen können. All das und mehr ist verborgen in der Erde anvertraut der Sorgfalt von Mutter Ops. Erinnert euch allen Reichtums den ihr besitzt und entscheidet weise, was davon zu bewahren ist. Gebt einiges von dem, was ihr besitzt, zum Altar und bittet:
"Bewahre das Korn für die Saat
und mach es fruchtbar für die Ernte!"<
Wenn alle etwas Geld vor den Altar gelegt haben, schließt der Priester das Kästchen und sagt:
>Euer Schatz und euer Korn ist nun sicher! In der Dunkelheit muß es liegen bis zu der Zeit wenn die Sonne zurückkehrt und die Saat zum Leben erweckt. So schläft auch Saturn, die Zeit erwartend wenn er erweckt und gerufen wird seine Insel zu verlassen und seine Geschenke uns zu bringen.<
Nun werden die Kerzen und die kleinen Figürchen zum Altar gebracht, und der Priester erklärt:
>Laßt alle Kinder ihre Geschenke dem Gott darbringen. Seit alten Zeiten haben diese Gaben ihre Bedeutung: Die Kerzen, sie sind kleine Sonnen und die Sigillaria, Symbole unserer Seelen. Nun gebt die Sigillaria einem Kind, welchem ihr auch wollt, aber wacht darüber, daß jedes Kind eines erhält. Die Kerzen aber bewahrt bei euch.<
Die zwei Kerzen werden bei der Saturn-Statue entzündet, und währenddessen spricht der Priester:
>Nun wenn die Sonne um die Erde kreistWir entzünden dieses Licht und jedes Jahr kehrt die Sonne zu uns zurück so wie auch jedes Jahr das Licht dieser Kerzen. Das Licht erinnert uns an Saturn, der uns führte aus einer dunklen Zeit ins Licht und uns befreite von Dunkelheit und Hunger und Gewalt.<
Dann wird Saturn von den Fesseln (Wollfäden) befreit und der Priester spricht dabei:
>Saturn, ehrwürdiger Vater, höre unser Gebet! Da wir Deine Fesseln lösten für dieses Jahr, so schütze unsere Saat und schenke ihr Fruchtbarkeit und bringe Dein Goldenes Zeitalter zurück zur Erde!<
Wenn dies getan ist und alle Fesseln entfernt sind:
>Nun ehret mit mir Vater Saturn und ruft drei mal: Io Saturnalia! Io Saturnalia! Io Saturnalia!<
Jetzt werden die Plätzchen vor den Altar gelegt und der Priester spricht:
>Seht das Geschenk des Saturn! Seht sein Werk! Kommt nun und kostet von seinem Werk, dem Geschenk des Saturn und seiner Schwester Ops. Aber teilt es mit den Menschen neben euch. So war das Gesetz in Saturns Goldenem Zeitalter!<
Man geht nun zum Altar, berührt die Schale mit der Erde und nimmt ein Plätzchen und teilt es mit den Menschen und wünscht dabei "Bona Saturnalia!" Man kann dabei auch Wein anbieten. Der Priester spricht:
>Möget ihr immer genügend besitzen und es mit anderen teilen! Mögest ihr niemals durstig und hungrig sein! Bona Saturnalia!<
Danach berührt der Priester die Erde, das Geld und das Korn und endet mit einem formellen Dankgebet an Saturn, Ops und Consus:
>Ihr noblen Götter: Saturn, Consus, Ops, nehmt unseren Dank und schaut auf uns mit Liebe! Laßt uns nun alle gemeinsam feiern und etwas von Saturns Goldenem Zeitalter kosten und glücklich über seine Rückkehr sein!
Io Saturnalia!<
