Germanische Glaubens-Gemeinschaft - GGG
Germanen-Glaube


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Die Gottheit Triglav

Von Allsherjargode Géza von Neményi

Über diese Gottheit ist nur wenig bekannt. Der Name wird auch geschrieben: Triglaw, Triglaf, Trieglaff, Triglaus, Tryglav, Truglous oder Triglava, und bedeutet „Dreikopf“.


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Abbildung: Triglav (16. Jh.).

Nach den Chronisten Ebbo, Herbord und dem Prieflinger Mönch, die Biographen des Bischofs Otto von Bamberg (1. Hälfte des 12. Jh.) wurde diese Gottheit in Wollin (das Vineta oder die Jomsburg der Sagen) und in Stettin verehrt.

Ebbo schreibt in seiner „Kroniken“ von 1155 über Triglav:
>Der Gott Triglav hatte gleich drei goldene Köpfe. Ein Schleier bedeckte seine Augen und Mund. Die Priester sagten, daß wenn er nicht sehe und spräche, könnte er die menschlichen Sünden übersehen. Die drei Köpfe stehen für die drei Herrschaftsbereiche: Himmel, Erde und Unterwelt. Sein Tempel war umgeben von einem heiligen Hain und Wiesen, auf denen ein schwarzes Pferd weidete. Dieses Pferd wurde für Vorhersagen genommen. Dies geschah in folgender Weise: Das Pferd wurde über neun Speere geführt, die in der Erde steckten. Wenn es keinen Speer berührte, war die Vorhersage günstig, andernfalls ungünstig.<

Auffällig ist in diesem Bericht, daß hier ein Pferdeorakel beschrieben wird, daß ganz ähnlich über den Gott Svantevit („heiliger Viðr“ = Óðinn) bezeugt ist. Es ist möglich, daß Ebbos Schilderung eine Übernahme des von Svantevit berichteten Kultes darstellt. Jedenfalls gilt wegen dieser Schilderung Triglav gemeinhin als Kriegsgottheit. Neben dem Tempel soll eine alte Eiche und eine Quelle gewesen sein, aber auch ein großer Nußbaum wird erwähnt. Die Feste sollen am 4. 6. gefeiert worden sein.

Das goldene Band oder Tuch, mit dem Triglavs Mund und Augen verschlossen waren, sollte bewirken, daß Triglav weder die Sünden der Menschen sieht, noch darüber künden müsse. In den Händen hielt die Figur einen gehörnten Mond (vielleicht ein Trinkhorn, daß als Mond mißdeutet wurde, oder ein sichelförmiges Messer). Gerade der Bezug zum Mond ist beachtenswert, denn Triglav wurde auch häufiger als Göttin dargestellt, die einen Bezug zum Monde hat. Jacob Grimm (Dt. Mythologie, S. 600, Anm. 3 und N209) erwähnt eine krainerische Sage, wonach der Mann im Monde „Kotar“ (finnisch Kuutar = Mond) heiße und den Mond durch Wassergießen wachsen lasse. Dieser Kotar war ein von der Göttin Triglava geliebter Hirte und wurde von ihr in den Mond gesetzt.

Es ist möglich, daß Triglav eigentlich eine Göttin ist, kein Gott. Als Göttin haben sie frühere Forscher gedeutet. So schreibt Dr. C. A. Vulpius (Handwörterbuch d. Mythologie, Leipzig 1826, S. 322f):

>Trigla, Triglaff, Triglow, Triglawa, eine von den Sorben (besonders den um Stettin herumwohnenden) Slawen und Wenden verehrte Göttin, als eine Luna und Diana zugleich; abgebildet mit drei Köpfen, den halben Mond mit beiden Händen vor die Brust haltend, ohne Gewand ... Andere machen diese Göttin unter dem Namen Triglaff zu einem Gott der Sorben<.

Auf eine Göttin deutet auch hin, daß an Stelle des Brandenburger Triglavheiligtums eine Marienkirche, und an Stelle des Berliner Triglavtempels eine Gertraudenkirche errichtet wurden, Kirchen also, die weiblichen Heiligen geweiht sind und daher wahrscheinlich eine weibliche Gottheit ersetzten.

Die Wenden als ursprünglicher Stamm der Wandalen kannten die Verehrung der Muttergöttin Fria (Frigg), die auch in der Dreiheit (junge Göttin, Muttergöttin, alte Frau) verehrt wurde und sich in dieser Dreiheit mit den drei Nornen (Schicksalsfrauen) berührt. Ich gehe davon aus, daß die Chronisten und Missionare hier den Kult der Göttin Frigg vorfanden, dann aber diesen in ihrer Sprache (dem Griechisch der Ostkirche) benannten, ähnlich wie Tacitus den Wodanskult vorfand und in seiner Germania von Mercurius als höchstem germanischen Gott schrieb. Ich gehe außerdem davon aus, daß Triglav die Bezeichnung für eine Göttin, nicht für einen Gott ist.

Schon der Name Triglav ist umstritten. Prof. Zdenĕk Váňa (Prag) schreibt (Mytholog. und Götterwelt der slaw. Völker, Stuttgart 1992, S. 93):

>Man weiß nicht, ob dies ein ursprünglicher Name ist oder nur das Attribut eines andern benannten Gottes, der aufgrund seiner Dreiköpfigkeit diesen Namen nachträglich erhielt<.

Nach meiner eigenen Deutung hat es einen Gott oder eine Göttin namens „Triglav(a)“ niemals gegeben. In den Chroniken sind wahrscheinlich heidnische und christliche Vorstellungen zusammengelaufen. Da das wendische Stammesgebiet zuerst von Mönchen der Ostkirche mit dem Christentum konfrontiert wurde, konnten sich Bezeichnungen aus der griechischen Mythologie für wendische Gottheiten erhalten, die diese Mönche verwendet hatten. So entstand z. B. der Name „Svaixtix“, ein Beiname des wendischen Gottes Dac-Bog, aus dem mißverstandenen griechischen Namen „Hephaistos“, wie uns ein byzantinischer Text (Chronik des Johannes Malalas  aus dem 6. Jh.) belegt. „Triglav“ ist gleichfalls eine griechische Bezeichnung und lautet ursprünglich „Tricephalos“, d. h. „die Dreiköpfige“ und ist ein Beiname der Göttin Hekate. Hekate wird mit drei Köpfen dargestellt und ist Göttin des Himmels, der Erde und der Unterwelt (ursprünglich Meer), auch des Mondes.


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Abbildung: Mittelalterliche Darstellung der Göttin Hekate.

Hekate ist am Himmel Luna (Mond), auf Erden Diana und in der Unterwelt Proserpina. Ihre Attribute sind der Dolch, das Schwert, die Fackel, der Strick, der Schlüssel und die Schlange; diese sechs Dinge hält sie in ihren sechs Händen. Von Hekates Namen leitet sich „Katarina“ ab. Aus dem Namen „Hekaterine“ (auch „Aikaterine“) wurde das russische Jekaterina. Die Bedeutung des Namens Hekate ist dunkel; vielleicht leitet er sich von griech. Hekat (hundert) ab und bedeutet „die Hundertfache“. Nach anderen Theorien könnte der Name seinen Ursprung in der ägyptischen Göttin Heket haben, welche die Gebärenden beschützt. Hekate ist Herrin der Dreiwege, an denen ihr geopfert wurde. Ihre drei Köpfe sind entweder menschlich oder zeigen ein Rinder-, ein Wildschwein- und ein Hundehaupt, vielleicht Sinnbilder für Himmel, Erde und Unterwelt. Als wilde Jägerin zieht sie, wie Frigg-Holda, mit einer Hundemeute durch die Lande. Ihre heiligen Bäume sind die Weide und die Eibe. Hekate ist Beschützerin und Führerin der Toten, Herrin der Zauberei, Helferin der Gebärenden; sie verleiht eine gute Ernte und Sieg in der Schlacht.

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Abbildung: Griechische Hekate-Darstellung.

Der Name „Triglav“ kommt als Flurname nicht vor (der Name Triglav in einem kleinen Dorf bei Greifenhagen in Pommern und das Gut Triglav auf Rügen sind junge Benennungen), lediglich wurden und werden zuweilen dreigipflige Berge so genannt, ohne irgendeinen Bezug zu einer Gottheit zu haben. So ist die Stadt Stettin auf drei Hügeln errichtet, deren mittlerer (auf dem der Tempel stand) den Namen „Triglav“ trug. Auch der höchste Berg in Slovenien, der auch im Wappen dieses Landes dargestellt ist, trägt wegen seiner drei Gipfel den Namen „Triglaf“.

In der Schilderung des Ebbo haben Forscher (z. B. H. Łowmiański, Religia Słowian i jej upadek, Warschau 1972) aber auch einen christlichen Einfluß gesehen, und zwar soll Triglav danach nur eine Deformation der heiligen Trinität darstellen, die drei Herrschaftsbereiche (Himmel, Erde, Unterwelt) sollen danach rein christliche Vorstellungen repräsentieren.

Als Stettin im Zuge der Wendenkreuzzüge 1124 christianisiert wurde, ließ Bischof Otto von Bamberg die Kultstätten zerstören und die im Haupttempel errichtete Statue Triglavs stürzen. Die drei Köpfe des Götterbildes ließ er abhacken und sandte sie als Beweis der erfolgreichen Wendenmission an Papst Calixt II. nach Rom. Bei der Zerstörung des Tempels soll das Volk Bischof Otto unterstützt und die Tempelschätze geplündert haben. Diese Schätze kamen u. a. auch dadurch zustande, daß bei einem Kriegszug der 10. Teil der Beute als Steuer an den Tempel ging. Der Tempel soll von Boleslav Schiefmund errichtet worden sein, von innen und außen war er mit kunstvollen Holzskulpturen, die Menschen, Vögel und wilde Tiere darstellten, ausgeschmückt gewesen und mit Malereien versehen.

In Wollin ließ Bischof Otto den Tempel vernichten, in dem eine goldene oder vergoldete Triglav-Statue gestanden hatte. Jedoch konnten die heidnischen Priester diese Figur retten und in einem hohlen Baum verstecken, irgendwo in der Umgebung der Siedlung. Hier brachten die Anhänger der Gottheit weiterhin heimlich Opfer. Trotz aller Anstrengung gelang es Otto nicht, diesen Ort zu finden und die Statue in seinen Besitz zu bringen.

Triglav soll nach dem Bericht einer einzigen Brandenburger Chronik aus dem 13. Jh. auch in Brandenburg verehrt worden sein, wo sich auf dem Harlunger Berg (heute: Marienberg) das Heiligtum befunden haben soll. Auch der czechische Chronist Pulkava aus der 2. Hälfte des 14. Jhs. erinnert an diese Gottheit. Aus dem 16. Jh. stammt die unbeglaubigte Angabe, in der Umgebung von Meißen hätten noch im Jahr 1526 Idole mit drei Gesichtern gestanden. Nach einer Volkssage jüngeren Datums soll sich auch in Berlin ein Triglav-Tempel befunden haben, und zwar an der Stelle des späteren Gertraudenspitals. Eine Sage aus Dröggelte bei Soest (Westphalen) erwähnt gleichfalls Triglav, allerdings als Göttin. Ihr dreiköpfiges Standbild soll dort im noch heute vorhandenen „Heidentempel“ (heute eine Kapelle) bis ins 16. Jh. gestanden haben und der Name Dröggelte soll von „Triglav“ abgeleitet sein. Ein Forscher hat vermuthet, daß das Bild in einer der zwei ummauerten Säulen des Gebäudes noch heute vorhanden sei.

In Brandenburg soll der Triglav-Kult durch Albrecht den Bären vernichtet worden sein, allerdings stellten die Wenden nach dem großen Wendenaufstand von 983 in der Marienkirche von Brandenburg wieder ein Triglav-Bild auf. Auch im Berliner Semnonenhain soll einst ein Triglav-Bild gestanden haben.

In der Figur des Triglav sind jedenfalls Spuren von Svantevit-Óðinn, der auch als Dreiheit beschrieben wurde (z. B. in der Gylfaginning der jüngeren Edda), aber eventuell auch christliche Elemente (Trinität) mit eingeflossen. In erster Linie aber ist „Triglav“ eine griechische Bezeichnung, die in der „interpretatio graeco“ für die germanische Göttin Frigg, die man mit Hekate identificierte,verwendet wurde.Es ist nicht anzunehmen, daß jemals ein Wende die Bezeichnung „Triglav“ für diese Gottheit gebraucht hatte.


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