Germanische Glaubens-Gemeinschaft - GGG
Germanen-Glaube


Ausgewählte Artikel aus dem "Germanen-Glaube"


Das große Fest der Hexen: Das Maifest

Von Catrin Wildgrube

Der zweite Vollmond nach der Frühjahrstagundnachtgleiche ist der Zeitpunkt der großen Hexenfeste. In diesen Nächten, so heißt es im Volksglauben, regen sich die Geister, und die Hexen wirken ihre Zauber. In den Flüssen und Quellen soll sich das Wasser in Wein verwandeln, wenn die Mitternachtsstunde angebrochen ist. Man sagt, die Hexen reiten nach Sonnenuntergang zu den zahlreichen Hexentanzplätzen.

Bei den Christen gilt die Nacht auf den 1. Mai als feststehendes Datum der sogenannten Walpurgisnacht (nach der heiligen Walburga benannt). Die Kirche verteufelte das uralte heidnische Maifest zum dämonischen Hexensabbat und erklärte die Heiden und Hexen zu Satansanbetern. Sie wurden gejagt, gefoltert und grausam ermordet, alles im Namen des Herrn.

In Wirklichkeit ist das Maifest ein Fest der höchsten Fruchtbarkeit und großer Lebensfreude. Es ist der eigentliche Beginn des Sommers. Im germanischen Tyrkreis steht hier der Fruchtbarkeitsgott Freyr. Ihm ist der Hirsch geweiht, und daher tragen die Schamanenpriester Hirschmasken und -geweihe bei ihren Tänzen, um die Fruchtbarkeit bei Natur und Mensch anzuregen. Daraus entstand das Bild des gehörnten Gottes, den die modernen Wiccas heute verehren.

Während des Maifestes wird von den Paaren der Liebesakt vollzogen, um das Wachsen und Gedeihen auf Feld und Flur anzuregen. Auch der gemeinsame Sprung übers Maifeuer dient der Fruchtbarkeit, aber auch der Gesundheit, der Reinigung von schädlichen Einflüssen. Schließlich ist Freyr auch der Gott des segenbringenden Feuers. Wie das Feuer, so hat auch das Wasser in der Mainacht wundersame Kräfte. Aus Quellen, Flüssen und Bächen geschöpft bringt es Gesundheit und Lebenskraft. Mairegen und Maitau gelten als sehr heilsam. Man soll sich nackt morgens im Tau wälzen, so sollen alle Teile des Körpers ein ganzes Jahr gesund bleiben, bis zum nächsten Maifest.

Als Maibaum wird eine junge Birke oder Tanne errichtet, als Symbol der grünenden, wiedererwachten Natur. Diese Bäume sind der Göttin Freyja geweiht, der Schwester des Freyr. Sie spielt als Liebesgöttin ebenfalls eine wichtige Rolle im Maifest. Es ist Brauch, einen Maigraf und eine Maigräfin zum Fest zu küren und damit die Liebesgötter zu ehren. Die mit bunten Bändern geschmückte Birke oder Tanne wird freudig umtanzt, natürlich im Sonnenlauf. Jeder nimmt eines der Bänder in die Hand und windet es während des Tanzes um den Maibaum. Dabei kann er oder sie einen Wunsch einflechten, und das Berühren des Bäumchens gilt als außerordentlich glückbringend.

Viele unserer alten heidnischen Bräuche wurden trotz Christianisierung von unseren Vorfahren bewahrt, besonders in ländlichen Gegenden. Vieles wurde von der Kirche in verfremdeter Form übernommen und verfälscht. Unsere Götter wurden zu Teufeln und Dämonen abgestempelt, viele weise Frauen wurden umgebracht. Von jeher hatte die Frau dank ihrer Intuition immer eine besonders intensive Verbindung zu den Göttern, man denke nur an die hochgeachteten Priesterinnen der Germanen. Doch von der Kirche wurden viele Frauen als böse Hexen und Teufelsanbeterinnen verschrieen. Sexualität und Lebensfreude galten als sündhaft und äußerst verwerflich. So wurde aus dem heiligen Maifest die berüchtigte Walpurgisnacht, die Nacht der wilden Ausschweifungen und die Zeit der bösen Geister. Es hieß, die Hexen flögen auf Besen und Stöcken zum Blocksberg. Vielerorts wurden Schutzzeichen an Türen und Ställen angebracht, um sich vor Hexen und Geistern zu schützen. In Süddeutschland glaubt man bis heute, daß die Hexengöttin Perchta in dieser Zeit umgehe und die Menschen erschrecke. Auch sagt man, in der Mainacht könne man unterirdische Glocken läuten hören.

Um die Mainacht ranken sich allerlei Vorstellungen. Es heißt, wenn man einen Stern vom Himmel fallen sehe, so solle man an dieser Stelle graben, man würde dann einen Schatz finden. Gichtkranke sollen drei Tropfen ihres Blutes in der Spalte einer jungen Fichte versenken, ohne jedoch dabei zu sprechen. Wer sich in der Mainacht etwas leiht, soll hexen können. Man soll an diesem Tag nicht backen, weil sonst der Regen ausbleibt. Natürlich gibt es auch zahlreiche Liebesorakel, schließlich ist das Maifest ja das Fest der sinnlichen Liebe.


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