Germanische Glaubens-Gemeinschaft - GGG
Germanen-Glaube


Ausgewählte Artikel aus dem "Germanen-Glaube"


Was wird aus uns nach unserem Tode

Von Prof. Ludwig Fahrenkrog

Der Glaube der Urzeit ging nach dahin, daß mit dem Tode eines Menschen sein Dasein ausgelebt und ausgelöscht sei - und er mithin aus dem Lande der Lebenden in "das Land ohne Heimkehr" (Assyrisch-Babylonisch) gegangen sei. Ein einfacher Gedankengang: Der Mensch ist gestorben - wurde erschlagen - liegt regungslos da - ohne Bewußtsein - beginnt zu modern - also: Aus!

Was vom Menschen übrig bleibt, sind seine Worte, ist seine Habe oder es sind seine Taten, die der Nachwelt über sein Dagewesensein noch zu sagen imstande sind. Grundsätzlich ließe sich gegen diese Feststellung nichts sagen. Das sittliche Bewußtsein wollte sich damit aber nicht zufrieden geben. Das wäre doch gelacht: der eine war zeitlebens fleißig, ehrlich und anständig - der andere faul, gefräßig und bösartig - und dieser wie jener sollte am Ende der Tage mit derselben Münze bezahlt werden? Einfach: "Aus?"

Die alten Germanen huldigten dem Unsterblichkeitsgedanken - und zwar im Sinne einer ausgleichenden Gerechtigkeit. Wer sich im Leben bewährt und recht gekämpft hatte, kam ins Walhall, der Übeltäter und Untüchtige in die Hel. Diesem analog finden wir die alten Griechen mit ihrem Hades und Olymp.

Ein Gedanke kommt selten allein und wird daher leichthin - wie eine Billardkugel durch eine andere - aus ihrer ursächlichen Richtung in eine andere gebracht. Im gleichen verknüpfte sich der Gedanke einer Fortexistenz des Menschen nach seinem Tode mit dem einer ausgleichenden Gerechtigkeit.

Schiller kommt in seinen philosophischen Briefen in Bezug auf die uns bewegende Frage zu dem überraschenden Satz: "Torheit, zu glauben, daß (in diesem Leben!) das Gute stets belohnt und das Böse bestraft werde" und fährt - dem Sinne nach fort zu sagen, daß es aber trotzdem eine Instanz geben müsse, welche die aus den Fugen gegangene Gerechtigkeit wieder herstellt, d.h. also: wenn nicht in diesem Leben, dann in einem andern.

Der sich um 700-800 Jahre vor unserer Zeitrechnung mit Macht entfaltende Seelenwanderungsglaube hatte allerdings schon seine, dem Animismus entstammten Vorläufer in den alten Veden. Der Ahnen- und Totenkult, das Erscheinen Verstorbener im Traume und der sich aus dieser rätselhaften Tatsache ergebende Glaube an ein Fortbestehen der Menschenseele, erwirkte leichthin auch die Annahme des Fortbestehens in einer anderen Form, Hülle oder Umkleidung, oder aber auch die Überzeugung der Verkörperung in einem neuen Leibe. Hier liegen also Spuren uralten Volksglaubens vom Wandern und Eingehen der Seele in andere Hüllen, ja, selbst in Tiere, Sterne usw. vor. Einesteils, andernteils sprach aber, auch noch ganz bedeutend im Sinne ausgleichender Gerechtigkeit das sittliche Bewußtsein beim Seelenwanderungsglauben mit. Und zwar ging der Wille zur Gerechtkeit einfach dahin, daß das, was man getan hatte, wurde! Das heißt, die Art der Neugeburt war abhängig, oder wurde vorherbestimmt, vom voraufgegangenen Dasein! Der neue Leib war Lohn oder Strafe für ein - im verlassenen Leibe begangenes gerechtes oder ungerechtes Leben. Man belohnt oder bestraft sich mithin ganz automatisch selbst.

Das Christentum lehnt jede Werkgerechtigkeit ab. Gnade ist alles (siehe Römer 9, 9-21!). Die Unsterblichkeit der Seele, ein Himmel und eine Hölle werden ohne Nachweis vorausgesetzt. Der alleinseligmachende Glaube lehrt, daß der Gläubige - und wäre seine Sünde rot wie Blut - in den Himmel: dagegen der Ungläubige - und wäre er auch ein noch so braver Mann - in die Hölle kommt. Tatsächlich! Wo bleibt da die Gerechtigkeit? Durch diese eigenartige Lehre wird allerdings den Gläubigen gegebenenfalls die Furcht vorm Tode gemildert - womöglich gar genommen - den Ungläubigen aber die Angst vorm Tode bis ins Ungemessene zu steigern versucht! - "Man merkt die Absicht und man wird verstimmt".

Junggermanische Stimmen und Gestalten. Ernst Moritz Arndt:

>Deutsches Herz, verzage nicht - Tu, was dein Gewissen spricht. Diesen Strahl des Himmelslicht. Tue recht und fürchte nicht!<

Meister Eckehart:

>Wer Gott von draußen holt oder nimmt, hat das Rechte nicht. Wir sollen Gott nicht außer uns suchen oder wähnen, sondern ihn nehmen, wie er unser eigen und in uns ist. Wir sollen Gott auch nicht dienen oder unsere Werke verrichten um irgend ein Warum: nicht um Gott noch um Gottes Ehre, noch um irgend etwas, das außer uns liegt, sondern allein, was in uns ist als unser Wesen, unser eigenes Leben.<

Matthias Claudius:

>Üb´ immer Treu und Redlichkeit - bis an Dein kühles Grab: Dann wirst Du ohne Furcht und Graun dem Tod ins Auge sehn. <

Schleiermacher (das könnte auch die Norne der Zukunft Skuld gesagt haben).:

>Die Unsterblichkeit darf kein Wunsch sein? Wenn sie nicht erst eine Aufgabe gewesen ist, die Ihr gelöst habt<.

Unsere Frage! "Was wird mit uns nach unserem Tode?" Das weiß auch der Christ nicht. Er glaubt nur, was er glaubt. Eine andere Frage - unserer gestellten Frage gleich - wäre die: "Gibt es überhaupt einen Tod?" (einen absoluten Tod?) Das Weltall lebt allüberall, ja, selbst der sozusagene tote Stein ist noch voller Leben. Das hat uns die Atomzertrümmerung klipp und klar bewiesen.

>Materie ist Erscheinungsform der Kraft!< (Fahrenkrog, Geschichte meines Glaubens, Halle 1906, S. 56). Im gleichen S. 67: >Materie ist Schein - Erscheinung! Ursache des Scheins ist die Tätigkeit der Kraft, Kraft ist Tat und das Wesen der Kraft ist Leben<.

Karl Robert Mayer: >Keine Kraft geht im Raume verloren<.

Ist nun Kraft die letzte Wirklichkeit des Weltalls? Oder - Ist die Kraft an sich auch nur eine Erscheinungsform eines - für uns unfaßbaren - Seins? Die Unzahl aller Gebilde - Himmel und der Erden - reden von einer unfaßbaren Phantasie, einer großen Vernunft und einem ihm innewohnenden Bewußtsein? Erst, wenn wir diese Frage gelöst haben, werden wir unsere Frage nach Tod und Leben beantworten können.


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