Germanische Glaubens-Gemeinschaft - GGG
Die Hochwarte


Wilhelm Schwaner (1863 - 13. 12. 1944)

Wilhelm Schwaner, der erste Hochwart der GGG, stammte aus einer Handwerkerfamilie aus Korbach. Nach seiner Ausbildung zum Lehrer trat er seine erste Stelle 1885 in Schweinsbühl an. 1887 wurde er nach Rattlar und Schwalefeld versetzt. Hier war er Mitbegründer des Gesangvereins. Nachdem er den Herrn Moritz von Eggidy kennenlernte, dem selbst eine von der evangelischen Kirche unabhängige Schulform vorschwebte, trat Schwaner aus dem Schuldienst aus und ging 1893 als Redakteur nach Kiel. In Kiel trat er der Freimaurerloge "Germania zur Einigkeit" bei, die er später wieder verließ. Schwaner sah sich aber dennoch zeitlebens als Freimaurer. Nun ging er nach Berlin und veröffentlichte einige Artikel unter Pseudonym in Lehrerzeitungen. Die Artikel zeigten Schwaners Bestrebungen nach "freiem Unterricht", außerdem war er ein Vorkämpfer für die Hebung des Lehrerstandes.

Mit Friedrich Schubert gründete er 1896 die Zeitschrift "Der Volkserzieher", deren Erstausgabe am 1. 7. 1897 erschien. Im Jahre 1902 hatte die Zeitung eine Auflage von 4500 Stück. Im Jahre 1901/02 gründete Schwaner die "Freie Hochschule Berlin", einen Vorläufer der späteren Volkshochschulen.

1904 fand die erste Pfingstreise des "Bundes deutscher Volkserzieher" statt, sie ging nach Thüringen und zur Wartburg. In Berlin wurde das "Haus Waldeck" erworben und zum Sitz des Volkserzieherverlages.

Im "Volkserzieher" erschienen 1907 und 1908 die Aufrufe Ludwig Fahrenkrogs zur Gründung der "Deutsch-religiösen Gemeinschaft" (DRG). Schwaner unterstützte Fahrenkrogs Bestrebungen und schloß sich der Gemeinschaft an. Im Upland, über Rattlar hatte Schwaner sein eigenes noch heute
stehendes "Svantehus" geschaffen und auf dem nahegelegenen Hermannstein wurde 1908 für die Gemeinschaft ein großer Feueraltar mit Sonnenrad und einem hölzernen Runentor errichtet. Dieses Runentor stand bis ca. 1960, das Sonnenrad am Altar ist heute entfernt, zwei dort angeschmiedete eiserne Hämmer werden zuweilen entwendet und ersetzt. Der Hermannsberg mit der Feuerklippe heißt in der Mundart "Ermenlich", d. i. "Berg des Irmin" (=Tyr) und "Osterklippe". Nach der Sage wurden hier Feuer zur Frühlingsgleiche gezündet, und es war Cherusker-Hermanns südlichster Besitz, wo er Abschied von seiner Frau Thusnelda nahm. Außerdem wurden hier Wacht- und Signalfeuer entzündet. Der Berg über Rattlar (= "Liegeschaft der Rodeleute", schon unter Volkwin I. und 1168 urkundlich erwähnt) ist 705 Mtr. hoch. Die großen Pfingstwanderungen des Bundes deutscher Volkserzieher gingen weiter, bis 1912 zum ersten Male das Land Waldeck und damit das Upland aufgesucht wurde. Hier wurde am 26. 5. 1912 der Hermannstein auf dem Hermannsberg feierlich mit den Volkserziehern eingeweiht (siehe Bild), außerdem wurde die 1907/08 gegründete Deutsch-religiöse Gemeinschaft
hermannstein
(DRG) in "Germanisch-Deutsch-religiöse Gemeinschaft" (bzw. "Germanisch-Deutsche Religionsgemeinschaft") (GDRG) umbenannt, weil sich ein Teil der DRG unter Leitung Otto Sigfrid Reuters abgespalten hatte und weiterhin den Namen der DRG benutzte.

Wilhelm Schwaner wurde auf dem Allthing der GGG im August 1913 in Thale/Harz Hochmeister der GGG, er trennte sich später aber von ihr und setzte sich nunmehr für eine "Germanisierung" des Christentums ein. In Ludwig Dessels Schrift zum 30. Bestehen der GGG, "Fahrenkrog und die Germanische Glaubens-Gemeinschaft" (1937) heißt es dazu (S. 22):

>Auch der Herausgeber des "Volkserziehers" Wilhelm Schwaner lieh der jungen Gemeinschaft seine Unterstützung, fiel jedoch hernach wieder ins Christentum zurück<.

Aus diesem Grunde konnte sich die GGG auch nicht mehr auf dem Schwanerschen Anwesen (Hermannstein) versammeln.

Schwaner veröffentlichte in mehreren Auflagen die "Germanenbibel", gab seit 1896 die Monatsschrift "Der Volkserzieher" und ab 1912 vierteljährlich die Heimatzeitschrift "Upland" heraus, für die auch GGG-Mitglied Fidus zeichnete. Außerdem schrieb er das "Lichtsucher-Buch" und 1931 das "Uplandbuch".

Im Jahre 1912 hatte Schwaner geschrieben:

>Und weil ich das bin (aus anderer Landschaft), suche ich den Ausdruck meines Wollens und Schaffens hier, hier auf dem Berge, hier im Cheruskerlande! Nicht in Berlin, nicht in einem Restaurant oder Café oder Wohnzimmer. Ich will wirkliche Freiheit, nicht konzedierte Freiheit<.


Das Hermannshaus

1913 wurde der Grundstein des "Hermannshauses" gelegt, Pfingsten 1914 wurde es eingeweiht. Dieses Haus, auch "Bundesheim deutscher Volkserzieher" genannt, gehörte dem Bund dt. Volkserzieher und der Germanischen Glaubens-Gemeinschaft; in der Nazizeit wurde der "Bund dt. Volkserzieher" mit dem NS-Lehrerbund gleichgeschaltet. Um das Haus vor Enteignung zu schützen, wurde Schwaner als Besitzer im Grundbuch eingetragen. Nach dessen Tod 1944 und dem Kriege gab Schwaners Tochter Svantje (verheiratet Ehrentreich) allerdings das Haus nicht zurück, sondern verkaufte es an Hildegard Timmermann, deren Sohn das Haus als "Pension Timmermann" bis heute führt. Allerdings ist ein Teil des geräumigen "Runensaales" abgeteilt, eine neue Holztäfelung angebracht, ein PVC-Fußbodenbelag ersetzt die alten Dielen, und auch von den umlaufenden Bänken, die zu Betten umklappbar waren, ist nichts mehr vorhanden. Die alten hölzernen Sprossenfenster sind durch einfache Thermofenster ersetzt. Den Namen erhielt der Saal mit großem, offenen Kamin, von den Runenzeichen auf den Tragebalken. Zu sehen sind noch s-Runen-Mäander, Hakenkreuzmäander (das Hakenkreuz wurde von den Gemeinschaften schon seit 1908 in gold auf blau getragen, also lange vor dem Mißbrauch des Zeichens durch die Nazis), Drudenfußmäander und Trifos-Mäander. Verdeckt durch die Raumabteilung sind wahrscheinlich Hagall-Mäander. Neben dem Runensaal liegt die "Ratsdiele".

In einer Anzeige von 1931 heißt es:

>Bundesheim Rattlar (Alkohol- und Nikotinfreies Erholungs- und Auffrischungsheim), Vollpension 4,- RM<

Das idyllisch an der Bergseite des Scheetens und Elmekeplatzes gelegene Haus hat heute 1 Einbett-, 2 Zweibett-, 3 Dreibett- und 5 Vierbettzimmer zu je etwa 20 Euro (Vollpension).

Im Jahre 1929/30 wurde das "Verlagshaus Waldeck" in Rattlar erworben, auch dieses steht noch heute.

© Allsherjargode Géza von Neményi


Ludwig Fahrenkrog (20. 10. 1867 - 27. 10. 1952)

Ludwig Fahrenkrog wurde am 20. 10. 1867 in Rendsburg-Neuwerk als Sohn des Christian Peter Fahrenkrog-Petersen und der Magdalena Alwine Estorff geboren. Nach seinem Schulabschluß in Hamburg 1883 trat er beim Innungsobermeister der Stuben- und Decorationsmaler, Hermann Lange in die Lehre, außerdem arbeitete er als Zeichner für Zeitungen und Illustrierte, oder fertigte Kataloge für eine Firma an. Nach seiner Lehrzeit arbeitete er als Geselle beim Decorationsmaler De Brusker, später wechselte er zur Firma Berger. Als er kündigte, um nach Berlin zu gehen, bot ihm der Geschäftsführer der Firma die Teilhaberschaft an, was er ablehnte. 1887 ging er an die Königliche Hochschule für die bildenden Künste, wo er als Meisterschüler unter Woldemar Friedrich, Hugo Vogel und des Leiters der Schule, Anton von Werner mehrere erste Preise errang (1891-93). Im Brachmond 1893 wurde ihm der Große Staatspreis zugesprochen. Fahrenkrog zeichnete nebenbei Illustrationen für einen medicinischen Fachverlag. Fahrenkrog ließ dann auch seine Eltern nach Berlin nachkommen.

Am 8. 2. 1893 heiratete er in Charlottenburg (damals noch nicht zu Berlin gehörig) Charlotte Lüdecke. Er fährt zum Studienaufenthalt nach Italien, wo ihm 1894 seine Tochter Colomba geboren wird. In dieser Zeit entstehen viele Werke, in denen er schon seinen eigenen Stil erkennen läßt. Er wird von der Akademie für das Bild "Jesus vor Pilatus" gerügt, weil der italienische Einfluß nicht erkennbar ist. Ein anderes Bild, "Jesus predigend" wird kritisiert, weil Jesus her ganz dem Gott Baldur angeglichen ist. Fahrenkrog malt nun - nachdem er den 1. Preis eines Fresken-Preisausschreibens gewann, das Schloß Stretense in Pommern aus. 1898 wird ihm in Berlin die Tochter Ursula geboren, er wird als Lehrer an die Kunstgerwerbeschule Barmen berufen. 1900 wird seine Tochter Charlotte in Barmen geboren. In dieser Zeit befaßt Fahrenkrog sich mit religionswissenschaftlichen Fragen, die zu dem Buch "Geschichte meines Glaubens" führen (1906), und gründet 1907/08 die Germanische Glaubens-Gemeinschaft.

Im Jahre 1908 wird ihm auch sein Sohn Rolf-Ludwig, 1910 seine Tochter Gudrun geboren. 1913 wird er zum External Professor der North-Dakota Universität Huron ernannt, außerdem wird er korrespondierendes Mitglied der Internationalen Akademie der Künste und Wissenschaften von Neapel und Ehrenmitglied der Hermann-Barth-Gesellschaft. 1931 tritt er von seinem Lehramt zurück und zieht nach Biberach/Riss. Fahrenkrog wurde Ehrenbürger von Rendsburg und 1938 Innungs-Ehrenmeister der Hamburger Malergilde. Der NSDAP gehörte er nie an und lehnte den Nationalsozialismus ab, was u. a. zu einem Ausstellungsverbot führte.
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Am 20. 10. 1952 feierte er seinen 85. Geburtstag und ein Allthing der GGG, wo sich der Maler, Dichter, Dramatiker und Komponist Fahrenkrog von seinen Freunden verabschiedete. Am 27. 10. 1952 verstarb er.


Ende und Anfang (von Fahrenkrog)

>Woher ich kam - wohin ich geh -
Wer will es wissen?
Es wandern die Wolken -
Es rauscht die See - Sie müssen!
Ich bin - wie sie ein Lebenshauch -
Ein Weg und eine Welle;
Ich bin das Ziel -
Und ich bin auch -
Der Anfang und die Quelle!<


© Freundeskreis Fahrenkrog


Ludwig Dessel (4. 10. 1905 - 10. 5. 1992)

Gustav Ludwig Dessel war der 3. Hochwart der GGG. Er wurde am 4. 10. 1905 geboren. Er war gelernter Schriftsetzer und kam schon 1928 zur Germanischen Glaubens-Gemeinschaft, wo er bald Geschäftsführer wurde. Zahlreiche Gedichte und Aufsätze hat er in unserer Zeitschrift "Germanen-Glaube" (früher: "Nordischer Glaube") und in anderen Zeitschriften wie z. B. "Der eigene Weg" veröffentlicht, außerdem verfaßte er zum 30jährigen Bestehen der GGG 1937 das Buch "Fahrenkrog und die Germanische Glaubens-Gemeinschaft - Ein Beitrag zur geschichtlichen Treue". Er war auch Träger des "Fahrenkog-Ringes".

Dessel war bei der Stadtbehörde Dortmund beschäftigt. Im Kriege war er Soldat in Rußland, gehörte aber der NSDAP nicht an. Aus seiner amerikanischen und danach französischen Kriegsgefangenschaft kam er 1948 zurück. Von seiner ersten Frau, Irma, die 1950 verstarb, stammen seine zwei Söhne Ingomar und Nordger. 1951 heiratete er seine zweite Frau Käthe, mit der er zuletzt in Lübeck wohnte.

1950 kam Dessel in den Ältestenrat der GGG, und nach dem Tode Prof. Fahrenkrogs (1952) wurde Ludwig Dessel 1. Vorsitzender der Gemeinschaft. Aus Rücksicht auf das Andenken Fahrenkrogs verzichtete Ludwig Dessel auf den bis dahin üblichen Titel "Hochwart" für den Vorsitzenden. Dessel sah sich als >Verweser der Gemeinschaft< und war bemüht, die GGG >im Geiste Ludwig Fahrenkrogs zu führen<.

Ludwig Dessel unterstütze aktiv unsere Bemühungen, die Vereinseintragung der GGG neu zu aktivieren und schrieb am 23. 5. 1991:

>Fahrenkog und die ganze germanische Richtung in Reinheit und Klarheit wird mich wohl bis zum letzten Atemzuge bewegen<.

Ludwig Dessel arbeitete auch im Verband der Heimkehrer, Kriegsgefangenen und Vermißtenangehörigen, im Kant-Kreis, bei den Norddeutschen Schreibern und im Bund für deutsche Schrift und Sprache mit.

Er verstarb in Lübeck am 10. 5. 1992.


Géza von Neményi (geb. 8. 2. 1958)

Dem Hochwart Dessel folgte 1992 Géza von Neményi in das Amt, welches nun "Allsherjargode" genannt wird und gruppenunabhängig verstanden wird. Der Lebenslauf findet sich unter www.Allsherjargode.de


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