Germanische Glaubens-Gemeinschaft - GGG
Quellen


zum germanischen Glauben

In diesem Abschnitt soll ein Überblick über die wichtigen Quellen zur germanischen Mythologie und Religion gegeben werden, wobei man über die Hauptquellen, die ältere und jüngere Edda und ihre Geschichte den eigenen Abschnitt lese.

Neben den Eddas sind Mythen auch beim dänischen mittelalterlichen Chronisten Saxo Grammaticus enthalten. Das in Latein um 1200 verfaßte Werk dieses Klerikers trägt den Titel "Gesta Danorum" (bzw. "Historia Danica"), "Geschichte der Dänen" und besteht aus 16 Büchern. Inhaltlich reicht es von der mythischen Vorzeit bis 1202. Gerade in den ersten neun Büchern findet sich ein reicher Schatz altnordischer Sagen, die sonst nicht erhalten sind. In dem Werk sind auch einzelne Göttermythen (Ullr, Baldr-Hoðr, Freyja-Óðr usw.) enthalten.

Der Mythos des Raubes des Brisingamens ist in dem Sorla þáttr (auch: Heðins saga ok Hogna) enthalten, der einen Teil der Flateyjarbók (zw. 1328 und 1387 geschrieben) bildet. Hier ist auch die mythische Vorgeschichte Norwegens, eine Riesengenealogie enthalten (Hversu Nóregr byggðisk/ Fundinn Nóregr). Eine wichtige Quelle ist ferner die Ynglinga saga, die in ihren Anfangskapiteln über die Götter berichtet. Sie bildet den ersten Teil der nach 1220 entstandenen Heimskringla. Andeutungen von Göttermythen finden sich auch im altenglischen Beowulfepos (um 700).


Antike Quellen des 1. bis 6. Jh.

Viele antike Autoren haben sich - wenigstens teilweise - mit den Germanen beschäftigt. Im Folgenden eine Aufstellung der wichtigsten dieser Quellen und kurze Anmerkungen, was darin jeweils u. a. interessantes über die Germanen und ihren Glauben zu lesen ist.

Strabo (63 v. u. Zt. bis 19 u. Zt.), Geographia (ca. 18 u. Zt.); (enthält u. a. einen Bericht über die Opferfrauen der Cimbern);

Caius Julius Cæsar (gest. 44 v. u. Zt.), De Bello Gallico (51/52 v. u. Zt.); (erwähnt die Druidenausbildung und Stellung, germanische Götter, Losen und Losorakel der Frauen);

Velleius Paterculus (schrieb um 30 u. Zt.), Historia Romana; (beschreibt die Vision der Götter durch einen weisen Alten);

Plutarch (ca. 46 bis 120 u. Zt.), Vita Caesaris; Vita Marii (um 100); (nennt den Schwur der Cimbern auf einen heiligen ehernen Stier, erwähnt Weissagungen aus dem Wasser und den Mond als Zeitpunkt);

Cornelius Tacitus (ca. 55 bis 120), Germania (nach 98); Agricola (98); Annales; Historiae (nach 96); (die Germania beschreibt ausführlich germanisches Leben, Glaube und Sitten, die anderen Werke erwähnen verschiedene Götter und Haine, z. B. Tamfana, Feldzeichen, die Seherin Veleda, das Sonnengebet des Boiocalus usw.);

Sueton (75 bis 140), Vitae Caesarum (um 120); (erwähnt einen germanischen Weissager, der aus dem Blitz weissagt);

Julius Frontinus (gest. um 103), Strategemata (zw. 84 und 96); (belegt das germ. Gesetz, bei abnehmendem Monde nicht zu kämpfen);

Florus (ca. 80 bis 140), Epitome (um 120); (beschreibt, daß Germanen Römer ans Kreuz geschlagen hatten);

Appianus (geb. ca. 120), Historia Romana (vor 165); (enthält eine Belegstelle für den Wiedergeburtsglauben der Germanen);

Cassius Dio (um 200), Historia Romana (um 230); (erwähnt die Seherin Ganna und eine andere Wahrsagerin);

Ammianus Marcellinus (geb. um 330), Libri rerum gestarum (um 394) ; (nennt den Oberpriester der Burgunden, die Absetzung des Königs bei Mißernten, Schwüre auf die heilig gehaltenen Schwerter);

Paulus Orosius (gest. um 420), Historia adversus paganos (um 415); (erzählt vom Aufhängen der Feinde und vom Opfern des Beutegoldes im Fluß);

Augustinus, De civitate Dei (um 420); (tägliche Götteropfer des Goten Radagais als Grund für seine Unbesiegbarkeit);

Apollinaris Sidonius (geb. um 430, gest. um 480); (Losen um Kriegsgefangene, Kreuzigungen, Opfer und Gelübde);

Sozomenos (um 400), Historia ecclesiastica (nach 439); (erwähnt einen Wagen mit Götterbild, der in einem Kultumzug herumgefahren wurde);

Procop (gest. um 560), De Bello Gothico (um 550); (nennt Ares den größten gotischen Gott, erwähnt Aufhängen der Feinde, Vogelstimmendeutung , Freitod der Alten und Selbsttötung der Witwe bei den Herulern);

Agathias (geb. 536), Historien; (beschreibt Opfer an Bäume, Flüsse, Berge und Täler).


Mittelalterliche Geschichtsschreiber

Die Quellen des Mittelalters stammen meist von Christen, und berichten daher oft verzerrt über das Heidentum. Dennoch handelt es sich um sehr wichtige Schriften, die viele Einzelheiten zu heidnischem Kult und Glaube erhalten haben.

Gregor von Tours (um 540 bis 593?), Historia Francorum (501 vollendet); Vitae Patrum (501); (in der Historia Francorum wird die Bekehrung Chlodwigs beschrieben und die heidnische Wasserweihe und Vorzeichendeutung erwähnt, in der Vita Patrum erzählt er u. a. von einem Blót in einem Heiligtum bei Köln und von geschnitzten Votivbildern);

Jordanes (gest. ca. 555), Getica (um 551); (erwähnt die Goden der Goten und ihren Bittgesang unter Chrottaspiel, Opfer an Mars, Mars als göttlicher Stammvater, Ahnenverehrung des Königs und der Ansen-Halbgötter);

Isidor von Sevilla (ca. 560 bis 636), Historia de regibus Gothorum, Vandalorum et Suevorum (nach 600) ; (erwähnt das Gelübde des Gotenkönigs Radagais, die besiegten Feinde den Göttern zu opfern);

Beda (geb. 672/73, gest. 735), Historia ecclesiastica gentis Anglorum (um 730); De temporum ratione; (in der Historia erwähnt er die Bekehrung des Oberpriesters Coifi, die beiden Brüderkönige Hengist und Horsa und ihre Abstammung von Woden, Missionierung und gemischten Glauben. In dem anderen Werk erwähnt er die heidnischen Monatsnamen und nennt die Göttin Eostre, der im Eosturmonath ein Fest gefeiert wurde);

Paulus Diaconus (720 bis 799?), Historia Langobardorum (nach 774); (nennt Ares als größten Gott, erzählt die Ursprungssage der Langobarden von Godan und Frea, Überführung von Sklaven zu Freien durch ein Pfeilritual, Neulandsuche des 3. Stammesteils, Stangen mit Holztauben als Kultpfähle für in der Fremde Verstorbene, Speerübergabe nach Königswahl, Vogelzeichen);

Annales regni Francorum (8. Jh.); (erwähnt die Eroberung, Plünderung und Zerstörung der Irminsul auf der Eresburg durch Karl);

Rudolf von Fulda (um 800 bis 865), Translatio St. Alexandri (um 850 begonnen); (erwähnt Baumkulte, beschreibt die Irminsul als Holzsäule unter freiem Himmel);

Angelsächsische Chroniken (vom 9. bis 12. Jh.); (erwähnt Ringeide zum Friedensschluß, nennt Hengist und Horsa als Wodens Nachkommen);

Widukind von Corvey (ca. 920 bis 973), Res gestae Saxonum (um 965); (beschreibt ein Feldzeichen mit Löwe, Drache und Adler, ein dreitägiges Siegesfest unter einer Sonnensäule, nennt gemischten Glauben der Dänen an Götter und Christus und die Loswahl eines Kriegsanführers);

Dudo (ca. 960 bis ca. 1030), De moribus et actis primorum Normanniae ducum (Anf. des 11. Jh.); (beschreibt das Menschenopfer der Normannen an Thur vor einem Kriegszug mit Enthauptung und Blutkult);

Thietmar von Merseburg (975 bis 1018), Chronicon (nach 1009 entstanden); (erwähnt das alle neun Jahre stattfindende Opfer im dänischen Hauptheiligtum Lejre, berichtet vom Tempel des Sonnengottes Svarozitz in Radegast und einer Kultstätte in Niederschlesien wo sündhafte Mysterien gefeiert wurden);

Ademar von Chabannes (ca. 988 bis 1034), Chronica Francorum ; (erwähnt die Bekehrung Rollos, der zu Ehren der Götter Gefangene enthaupten ließ);

Cnutonis res gestae (Mitte des 11. Jh.) ; (beschreibt ein magisches Feldzeichen mit einem Raben, der bei Siegesaussicht flattert, bei drohender Niederlage aber die Flügel senkt);

Adam von Bremen (gest. 1085), Gesta Hammaburgensis ecclesiae pontificum (vollendet 1075); Scholiast zu Adamus Bremensis (von 1076 bis 1083); (ausführliche Beschreibung des Tempels von Upsala mit den Götterbildern und dem dortigen alle neun Jahre stattfindenden Fest mit Opfern und Zauberliedern, Schändung eines Thorsbildes durch einen Missionar, Goden für Heiligtümer eingesetzt, göttliche Ahnen, nennt Sclaveni als Germanen und Wenden als Wandalen);

Chronicon Fani sancti Neoti (um 1100); (beschreibt auch das magische Feldzeichen mit dem Raben, genannt Reafan);

Geoffrey de Monmouth (1100 bis 1154), Historia regnum Britanniae (1136 vollendet); (erwähnt Mercurius als Wodan und höchsten Gott der Angelsachsen, dem der vierte Wochentag geweiht ist);

Helmold von Bosau, Chronica Sclavorum et Venedorum (1171 fertiggestellt, erweitert bis 1209); (erwähnt den höchsten Himmelsgott, Haus- und Feldgötter, den Gott Prove und Siwa, beschreibt den Opferkult mit Losen, Blutritual und Trankopfer).


Lebensbeschreibungen der Bekehrer

In diesen Schriften der fanatischen Missionierer wird das Heidentum zwar oft verteufelt, es scheinen aber dennoch zahlreiche Einzelheiten des heidnischen Kultes und Glaubens durch.

Vita Columbani (Columban geb. 543, gest. 615) von Jonas von Bobbio (nach 642 vollendet); (erwähnt ein Heiligtum, ein Biertrankopfer für Wodan mit großem Kessel, in einer Glosse dazu wird Wotant mit Mars gleichgesetzt);

Vita Amandi (Amandi gest. 679; verfaßt im 8. Jh.); (verurteilt heidnische Heiligtümer, hölzerne Götterbilder und verehrte Bäume bei Gent);

Vita Eligii (Eligius gest. 660; verfaßt Mitte des 8. Jh.); (Zerstörung von heidnischen Heiligtümern durch Eligius in Flandern);

Vita Landiberti (Landibert gest. 703?; verfaßt Mitte des 8. Jh.); (Zerstörung von Tempeln und Götterbildern zwischen Schelde und Maas);

Vita Bonifatii (Bonifatius 672 bis 754) des Willibald (zwischen 763 und 765 verfaßt); (schildert die Zerstörung der Jupiter-Eiche bei Hofgeismar durch Bonifatius, außerdem erwähnt der Text Zeichendeuter, Vogelflug, Opfergebräuche und Zauber);

Vita Vedastis (Vadastius 1. Hälfte des 6. Jh.; verfaßt um 775); (beschreibt heidnisch geweihte Gefäße mit Bier in der Mitte des Hofes);

Vita Willebrordi (Willebrord ca. 658 bis 739) des Alcuin (um 790); (Willebrord entweiht das Fositeheiligtum mit der heiligen Quelle, Friesenkönig Radbod läßt das Los über den Heiligtumsschänder werfen, auch ein Götterbild auf der Insel Walcheren wird erwähnt);

Vita Wulframi (Wulfram geb. zwischen 632 und 656, gest. vor 704; entstanden um 800); (schildert übertrieben die Todesstrafen unter Friesenkönig Radbod, außerdem dessen Frage, wo seine Vorgänger seien. Als der Missionar sagt, sie sein in der Hölle, lehnt Radbod seine eigene Taufe ab);

Vita Sturmi (Sturmus gest. 779) des Eigil (um 800); (erwähnt das Predigen und die Zerstörung von Heiligtümern bei den Sachsen);

Vita Galli (Gallus ca. 550 bis ca. 640; verfaßt Anf. des 9. Jh.); (beschreibt die Zerstörung dreier erzener, vergoldeter Götterbilder der Alemannen);

Vita Liutgeri (Liutger ca. 744 bis 809) des Altfridus (entstanden um 820); (das Kinderaussetzen wird erwähnt, außerdem die Zerstörung der friesischen Heiligtümer und die Plünderung der dortigen Schätze);

Vita Willehadi (Willehad gest. 789) des Anskar (um 860); (Willehads Predigt in Friesland wird als Götterbeleidigung betrachtet und über ihn das Los geworfen. Willehads Schüler zerstören Heiligtümer und Götterbilder);

Vita Anskarii (Anskar 801 bis 865) des Rimbert (870 verfaßt); (ein Abgesandter der Götter spricht im Namen der Götter zum Volk und gegen den fremden Gott. König Erich wird unter die Götter aufgenommen, mehrere Losorakel, Frage eines Heiden an den Priester, welchen Gott er beleidigt habe);

Vita Barbati (Barbati gest. 683; verfaßt im 9. Jh.); (erwähnt das heilige Schlangenbild der Langobarden und ein Wettspiel zu Pferde um ein heiliges Opferfell);

Vita St. Lebuini (Liafwin gest. um 770; geschrieben Anf. des 10. Jh.); (erwähnt das Alþing der Sachsen und ein Gebet).


Kirchliche Quellen

In den Bußbüchern, Konzilsbeschlüssen und Briefen der Kirchenvertreter werden häufig heidnische Bräuche verdammt. Diese Bräuche werden aber auch erwähnt und teils beschrieben, so daß auch diese Quellen für uns wichtig sind.

Concilii von Aquilensis Epistola, Briefe an die röm. Kaiser (381); (erwähnt die gotischen Goden mit Halskette und Armspange);

Concilium Aspasii episco (551); (nennt das Weihen von Trinkhörnern, Zauberer usw.);

Epistel und Dialoge Papst Gregors I. (590 bis 604); (beschreibt das Opfer eines Ziegenkopfes);

Concilium sub Sonnatio episcopo Remensi habitum (um 630); (Opfermähler, Vogeldeutung);

Poenitentiale Ecberti (um 725); (Losorakel, Vogeldeutung, Gelübde an Bäumen);

Epistel Papst Gregors III. (731 bis 741); (Totenopfer, Pferdefleischessen, Losorakel, Vorzeichen, Amulette und Beschwörungen werden angeprangert);

Concilium germanicum (742); (erwähnt Totenopfer, Vorzeichen, Losorakel, aber auch das niedfeor = Notfeuer);

Indiculus superstitionum (743?); (liefert einen ganzen Katalog heidnischer Bräuche);

Bonifatius (gest. 754), Epistolae; (erzählt wie Willibrord in Friesland Tempel und Heiligtümer zerstört);

Papstes Zacharias, Epistel an Bonifatius (748); (nennt heidnische Priester, Stier- und Bockopfer und Totenmähler);

Pseudo-Bonifatius, Sermo (um 800); (Verehrung von Götterbildern, Opfer bei Toten und Gräbern, Weissagungen usw.);

Poenitentiale Arundel (10. bis 11. Jh.); (Opfer an Gräbern um Zukünftiges zu erfahren).


Gesetzbücher

Die Gesetze in diesen Büchern sind meist noch aus dem Heidentum und wurden nur christlich ergänzt. Die Gesetze geben uns Hinweise über die heidnische Ethik.

Lex Visigothorum (älteste Redaktion um 650); (nennt Strafen für Heiden, die nächtliche Opferfeiern halten und für Unwetter-Zauberer);

Leges Liutprandi (entstanden 715 bis 735); (Strafen für Baum- oder Quellverehrer, Zauberer und Vogeldeuter);

Capitula de partibus Saxoniae (zwischen 777 und 797); (Todesstrafe für Heiden, die einen Menschen den Göttern weihen, verbietet Weissagungen und Vogeldeutung, Strafen für Teilnahme am Opfermahl und Weihung von Speise);

Lex Frisionum (entstanden um 850); (enthält die Strafe für das Schänden eines heidnischen Heiligtums);

Westgötalagen (Anf. des 12. Jhs.); (Neidingstaten, Þingentweihung usw.);

Frostuþingslog (Mitte des 12. Jhs.); (erwähnt die Vébond, die Weihbänder auf dem Þing, Friedheiligkeit usw.);

Gulaþingslog (Ende des 12. Jhs.); (verbietet Opfer an Götter bei Hügeln und Steinaltären);

Sachsenspiegel des Eyke von Repkow (gegen 1230); (Friedheiligkeit, Gefolgschaftseide);

Grágás Konungsbók (entstanden um 1260); (enthält den þingskappa þáttr, wo die Aufgaben der Goden beim Þing genau festgelegt sind);

Járnsiða oder Hákonarbók (1273); (erwähnt das Setzen der Vébond auf dem Alþing);

Guta Lagh (Ende des 13. Jhs.); (verbietet heidnische Opfer und Bräuche an Hainen und eingehegten Plätzen);


Nordische Geschichtsbücher

Durch die relativ späte Christianisierung des Nordens haben sich hier zahlreiche heidnische Bräuche und Glaubensvorstellungen erhalten.

Aris Íslendingabók (um 1139; Ari 1067 bis 1148); (beschreibt die Besiedelung, die Gesetze und das Alþing, aber auch von der Christianisierung Islands wird erzählt);

Sverris saga (um 1190); (das Leben des späteren Königs Sverrir Sigurðarson, heidnischer Schicksalsglaube und Tapferkeit);

Oddr Snorrasons Ólafs saga Tryggvasonar (um 1200); (die Missionierungsbestrebungen von Olaf Tryggvasonar und heidnischer Widerstand);

Orkneyinga jarla saga (um 1220); (erwähnt ein Rabenbanner, Zweikämpfe, den Blutaar und heidnischen Schicksalsglauben);

Noregs konunga sogur af Snorri Sturluson - Heimskringla (um 1225); (enthält die Ynglinga saga, außerdem zahlreiche Beschreibungen heidnischer Bräuche und Glaubensvorstellungen, u. a. den Ablauf des Blóts, Tempelschilderungen, die heidnischen Jahresfeste, Trankweihe, Zauber usw.);

Fagrskinna (um 1230); (Bauern zwingen Hákon den Guten zum Opfer, Losorakel, Missionierung usw.);

Kristni saga (Anfang des 13. Jh.); (inhaltlich reicht diese Saga von der Christianisierung Islands bis 1118, sie enthält Schilderungen des Heidentums wie Tempel, Opfersteine, Vorzeichen, Götterlästerung und ihre Bestrafung);

Landnámabók (Mitte des 13. Jh.); (die Urfassung wurde um 1100 erstellt, das Buch berichtet von der Besiedelung Island mit zahlreichen Einzelheiten, Goden, Auswerfen der Götterbilder, Tempel, Opferstätten, die heidnischen Ulfljotslog mit Ringeidformel, Götterbefragung, Landweihe an Götter, Allsherjargóði);

Jómsvíkings saga (um 1250); (Privatkult des Jarl Hákon an Þorgerðr Holgabruð, Ächtung wegen Tempelschändung);

Knýtlinga saga (um 1265); (beginnt bei Knuts Vorfahren, vor 940 und endet 1202, berichtet von den wendischen Göttern, wahrscheinlich von Saxo übernommen);

Sogubrot af nokkrum fornkonungum (13. Jh.); (schildert z. B. eine heidnische Bestattung mit Wagen und Pferdeopfer, eine Schlachtordnung von Óðinn);

Guta saga (13. Jh.); (beschreibt die heidnischen Opfer und die Kultorganisation mit den þingen auf Gotland);

Ólafs saga Tryggvasonar hin mesta (Ende des 13. Jh. Ólaf regierte 995 bis 1000); (viele Einzelheiten wie ein Þórsbild als Gallionsfigur am Schiff, Missionierungsauseinandersetzungen, eine Erscheinung des Gottes Þórr);

Sturlunga saga (um 1300); (behandelt die Geschichte Islands zwischen 1117 und 1264, insbesondere auch das Leben bedeutender Isländer wie Snorri Sturluson oder Jón Loptsson);

Flateyjarbók (um 1328 bis 1387 geschrieben); (eine Sammelhandschrift, die zahlreiche Sogur und Þættir enthält und die hier einzeln angeführt werden).


Íslendingasögur

Die Íslendingasogur (Islandsagen, Sagas) sind Erzählungen aus dem alten Island und spielen oft auch in Norwegen, Schweden und an anderen Orten. Da sie zeitlich meist in der Missionierungszeit handeln, kommen immer wieder Einzelheiten aus dem Heidentum vor. Zwar verhalten sich die Sogur zum realen Leben dieser Zeit in etwa wie Wildwestfilme zur tatsächlichen Besiedelung Nordamerikas, und liegen die meisten Handschriften nur als Abschriften christlicher Verfasser vor, aber der zeitliche Abstand der Verfasser zum Heidentum war noch so nahe, daß heidnische Vorstellungen auch bei Christen noch bekannt und unterschwellig vorherrschend waren. Daher werden die Sogur von der Wissenschaft als Quellen durchaus ernstgenommen.

Heiðarvíga saga (um 1200); (die älteste erhaltene Islandsaga, die Handlung spielt im 1. Viertel des 11. Jh. Erwähnt die Zauberin Alof Kjannök, Stieropfer gegen Rache der Feinde);

Bjarnar saga Hítdolakappa (um 1220); (ethische Vorstellungen, Folgegeister usw.);

Hallfreðar saga vandræðaskálds (um 1220); (Gelübde an die Götter, kleines Þórsbild aus Walroßzahn, Erscheinung der Fylgjakona und Übergang auf anderen Sippenangehörigen, Opferung);

Egils saga Skallagrímssonar (um 1230 vielleicht von Snorri Sturluson verfaßt); (die Handlung geht von Mitte des 9. Jh. bis Ende des 10. Jh. Erwähnt werden Tempel und Goden, Frühlingsfest und Herbstopferfest im Tempel von Gaular, eingehegtes Gericht mit Vébond, Götterfluch auf Zerstörer der Vébond, Stieropfer nach Holmkampf, Entweihung des Tempels, Opferorakel, Julfest mit Geschenken, Dísablót, Trankweihe, Wasserweihe eines Kindes, Bestattung mit Hügel und Beigaben, Neidstange, Freyja als Totengöttin, Runenzauber);

Eiriks saga rauða (frühes 13. Jh.); (spielt im 10. und 11. Jh., berichtet von der Entdeckung Vinlands, d. i. Amerika, Lieddichtung um Þórs Hilfe, die Seherin Þorbjorg und ihr Zauber auf Grönland werden ausführlich beschrieben);

Færeyinga saga (Anf. des 13. Jh.); (geht von der Mitte des 10. bis zur Mitte des 11. Jh., berichtet ausführlich vom Tempel und Kult der Lokalgöttin Þórgerðr Holgabruð);

Kormáks saga Ögmundarssónar (Anf. 13. Jh.); (Kormák wirkte etwa von 930 bis 970; erzählt vom Holmkampf und dem Opfer um Hilfe, Opferstier, Fluchzauberei, Auswerfen der Götterpfeiler, Elbenopfer am Hügel, Ausmessen des Hauses, Tierverwandlung);

Fóstbroðra saga (13. Jh.); (spielt im frühen 11. Jh.: erwähnt einen Stuhl mit Þórsbildnis, Blutsbrüderschaft durch Tritt unter den Rasenstreifen, Schamanenfahrt im Traum, Zauberei, Gestaltwechsel);

Gull-þóris saga (13. Jh.); (berichtet von den Siedlern auf Island, von Tempeln, Opfern und der Organisation der Tempel);

Þorvalðs þáttr tasalda (13. Jh.); (spielt in der Missionierungszeit, enthält einen Hinweis auf das Königsglück);

Harðar saga Grímkelssonar ok Geirs (13. Jh.); (erwähnt das Niederfallen vor dem Kultstein im Tempel, Julgelübde, Kinderaussetzen, Zauberei, Gestaltwechsler);

Gautreks saga konungs (13. Jh.); (enthält eine ausführliche Schilderung der Zuteilung des Schicksals durch den Rat der Götter, Losorakel, Tierverehrung, Folgegeister, Königsopfer für Óðinn);

Hervarar saga ok Heiðreks konungs (13. Jh.); (hier sind alte Heldenlieder mit eingebettet, z. B. Hloðsqviða, Hervararqviða, Dánaróður Hjálmars hugumstóra, Heiðreksgátur. Im Mittelpunkt steht das magische Schwert Tyrfing. Königsopfer, Königsabsetzung, Guðmundr von Glæsisvellir, Opfer an Óðinn, dem Freyr geweihter Juleber, Julgelübde, Bragibecher, Pferdeopfer des Königs, Losorakel, Dísenopfer, Wasserweihe, Rätselwettkampf mit Óðinn);

Gísla saga Surssonar (Mitte des 13. Jh.); (Gísli wanderte Mitte des 10. Jh. nach Island aus; die Saga enthält die Schilderung der Blutsbrüderschaftsschließung, das magische Schwert und Schmiedung eines magischer Speers mit Runen, Grabhügel ohne Schnee als Zeichen von Freyr, Herbstfest mit Freyskult, Schiffsbestattung im Hügel, Binden der Helschuhe, Träume, Schadenszauber und Tötung der Zauberer);

Víga Glúms saga (Mitte des 13. Jh.); (spielt im 9. Jh.; Opfer für Freyr, Freyr erscheint im Traum, Tempelheiligkeit, Heiligung des Herbstþings, Ringeid im Tempel, Landheiligung, Freysgebet zum Stieropfer, Weissagerin, Dísablót zu Winteranfang, Fylgjar);

Droplaugarsonar saga (um 1250); (spielt in der 2. Hälfte des 10. Jh.; erwähnt ein Goðahús und das Umgehen desselben als Zauber, den Eid auf den Altarring, Wasserweihe usw.);

Laxdola saga (um 1250 verfaßt); (reicht vom 9. bis 11. Jh.; beschreibt das Treten unter einen Rasenstreifen als Gottesurteil, schlechtes Wetter wird als Zorn der Götter erklärt, Festtage als Tage um günstige Orakel zu erlangen, Julfestgeschenke, Auswerfen der Götterbilder, Umzug mit Heilswünschen, Wasserweihe, Alþing, Ertrunkene zeigen sich als Wiedergänger, Traumdeutung, Seiðr als Todeszauber, Anklage wegen Zauberei);

Bandamanna saga (Mitte des 13. Jh.); (spielt in der Mitte des 11. Jh.; erwähnt das Pferdefleischessen);

Reykdola saga ok Víga Skútu (Mitte des 13. Jh.); (spielt im 10. Jh.; erwähnt die Beratung über ein Gemeinschaftsgelübde beim Tempel um Wetterbesserung, Opfertiere);

Vápnfirðinga saga (Mitte des 13. Jh.); (spielt im 10. Jh.; Steinvor hóf-gyðja wird genannt, Anklage eines Christen wegen Nichtzahlens des Tempelzolls, Traumdeutung);

Volsunga saga (Mitte des 13. Jh.); (es ist eine ausführliche Nacherzählung der Sigurð- und Volsungensage unter Verwendung einiger - teils verlorener - eddischer Heldenlieder; erwähnt Óðins Sohn Sigi, Óðinn erscheint mehrfach und greift in die Schlacht ein);

Hrafnkels saga Freysgóða (2. Hälfte des 13. Jh.); (spielt im 10. Jh., eine der bedeutendsten Íslendingasogur, Hauptperson ist der Freysgode Hrafnkel; erwähnt den Freystempel, Opfer an Freyr, das heilige dem Freyr geweihte Pferd sowie ein Gelübde, daß jeder Reiter desselben getötet wird, Tempelzerstörung usw.);

Örvar-Odds saga (2. Hälfte des 13. Jh.); (enthält auch das Sterbelied Aevikviða oder Aevidrápa des 12. Jh.; erwähnt den Glauben der christlichen Übergangszeit an die eigene Macht und Stärke);

Ragnars saga loðbrókar (2. Hälfte des 13. Jh.); (Ragnarr und seine Söhne lebten in Dänemark im 9. Jh.; Ragnars Kampf gegen einen Drachen, die Opferstätten Upsala und Hvitabor, Götteropfer vor der Hochzeitsnacht);

Brandkrossa þáttr (2. Hälfte des 13. Jh.); (beschreibt ein Stieropfer an Freyr gegen den Nachfolger im eigenen Hof, das Wegzaubern eines Ochsen);

Orms þáttr Stórólfssonar (spätes 13. Jh.); (enthält die Prophezeihung einer Volva, eine halbmenschliche Helferin, ein Sterbelied);

Hálfs saga ok Hálfsrekka (Ende des 13. Jh.); (Hálf wird schon im 10. Jh. erwähnt; die Saga zitiert ältere Heldenlieder, enthält das Innstein-, Útstein- und Hrókslied. Das Innsteinlied ist eine Traumdeutung);

Friðþjófs saga frækna (Ende des 13. Jh.); (spielt im 10. Jh.; mit Beschreibung des Baldertempels am Sognefjord, einem Kultbild, Verbrennung des Tempels, Verbot des Zusammenkommens von Männern und Frauen in diesem Tempel);

Honsa-þóris saga (um 1260); (spielt im 10. Jh., erwähnt den geheiligten Þingbezirk, ein Gelübde mit Fuß auf den Stein, Besitznahme durch Umgehen, Zukunftstraum);

Vatnsdola saga (zwischen 1260 und 1280); (reicht vom 9. bis zum 11. Jh.; erwähnt Tempel, ein magisches Los mit dem Bilde Freys, den Gang unter den Rasenstreifen als Gottesurteil, Landumgehen mit Feuer, Hausumgehen, Holmgang, Verbot von Waffen im Tempel, Glaube an den Schöpfer der Sonne, Njorðr als Reichtumsgott, Opfer, verhaßter Menschenopferer, Volva Þórdis, Zauberkundige, Wetterzauber, Bestattung, Verehrung eines Pferdes Freyfaxi, Warnung im Traum durch Sippenfolgegeistfrau);

Gunnlaugs saga Ormstungu (um 1270 - 1280); (Anrufung Þórs um Sieg im Zweikampf, Julfest mit Geschenken, Kinderaussetzen);

Brennu-Njáls saga (um 1280); (die Saga spielt im 10. und 11. Jh., gehört zu den längsten und bedeutendsten Sogur und enthält auch das Darraðarljóð, in dem Valkyren ein Schlachtgewebe weben; enthält die Beschreibung des Tempels der Þórgerðr Holgabruð, die Hófgyðja Steinunn redet gegen den Christen Þankbrand, Gebet Hákons mit Niederwerfen, Julfest mit Geschenken, magische Waffen, Raben als Vorzeichen, Folgegeister, Träume, ein Toter im Berg, vorausbestimmtes Schicksal, Zukunftskundige, Wetterzauber. Besonders ausführlich wird die nordische Form des Rechtsverfahrns vor dem Þing beschrieben, teils mit den dabei später benutzten Formeln, aber nicht immer ganz richtig);

Þórsteins saga Víkingssonar (um 1300); (spielt im 10. Jh., enthält magische Waffen, ein Wunderschiff Elliði, Zauberer, helfende Zwerge, Verwandlungen);

Grettis saga Ásmundarsonar (zwischen 1320 bis 1330 verfaßt); (spielt im 10. Jh. und gehört zu den umfangreichen und berühmten Sogur; enthält Zauber, Runenschadenszauber mit einer Holzwurzel, Kämpfe gegen Trolle);

Hávarða saga Ísfirðings (um 1330); (spielt im 10. Jh., enthält Raben als Vorzeichen, den Kampf mit einem Wiedergänger);

Stýrbjarnar þáttr Svíakappa (zw. 1328 und 1387 entstanden); (beschreibt ein Gelübde im Tempel Óðins um Sieg, Óðinn greift danach selbst in die Schlacht ein);

Nornagests þáttr (zw. 1328 und 1387 entstanden); (in diesem Þáttr, der in der Missionierungszeit spielt, treten auch Helden der Nibelungen und Volsungensage auf; enthält eine Schilderung der drei Nornen, die zur Geburt kommen und das Schicksal zuteilen);

Eyrbyggja saga (ca. 1350); (die Saga aus der Missionierungszeit enthält Erwähnungen von Zauberei und heidnischen Riten, insbesondere die genaue Schilderung eines heidnischen Tempels, die Gefolgschaftsverpflichtung gegenüber dem Goden, den heidnischen Speerwurf, eine Beschreibung der Þingstätte und ihre Entweihung, Ringeid, Landumgehung, Opfer im Þórstempel mit Frage und Antwort Þórs, Herbstfest mit Pferdeopfer, Auswerfen der Göttersäulen, Vorzeichen, Weihe von Kindern auf Götter, Bestattung, Heiliger Berg der Toten, Wiedergänger, Wetterzauber, Anklage einer Zauberin);

Þórðar saga hreðu (um 1350); (Folgegeistfrauen erscheinen im Traum, Schicksalsglaube);

Bárðar saga Snæfellsáss (um 1350); (die Saga handelt vom Landvættr Bárðr, dem Asen des Berges Snæfell, der denen zu Hilfe kommt, die von Riesen und Trollen bedroht werden. Erzählt vom Zorn der Ahnen wegen Gests Glaubenswechsel, Opfer für gute Vorzeichen);

Króka-Refs saga (um 1350); (enthält eine Bitte an den Gott, der die Sonne geschaffen hat);

Flóamanna saga (Anf. des 14. Jh.); (spielt im 10./11. Jh.; erwähnt werden Tempel, Goden, heidnische Tierverehrung eines Bären, Þórr erscheint mehrmals einem abtrünnigen Heiden im Traum);

Kjalnesinga saga (Anf. des 14. Jh.); (spielt in der Missionierungszeit; ausführlich beschrieben wird ein großer Tempel mit Kultgegenständen, Opfervieh und ein Opfersumpf, Tempelschändung, Ächtung wegen Christentums, Gebet liegend vor dem Götterbild, Wasserweihe);

Gongu-Hrólfs saga (Anf. des 14. Jh.); (der Held der Saga wurde 911 Fürst in der Normandie; die Saga erwähnt ein Pferd, das die menschliche Sprache versteht);

Þórsteins þáttr Bæjarmagns (14. Jh.); (berichtet vom sagenhaften Polarland Glæsisvellir und dem mythischen König Guðmund sowie den von Saxo bekannten Geiroðr, erwähnt Wiedergänger, Trankopfer für die Götter);

Þórsteins þáttr uxafóts (14. Jh.); (enthält einen Abschnitt über das heidnische Úlfljótslog, Kämpfe mit Riesen und Geistern, Kinderaussetzen);

Ljósvetninga saga (14. Jh.); (gehört zu den bedeutendsten Islendingasogur. Beschreibt die Eisenprobe, Klage auf Verlust der Godenwürde, Widderopfer zur Übernahme des Góðorð, Traum von Folgegeistern);

Svarfdola saga (14. Jh.); (spielt in der späten Besiedelungszeit; beschreibt das Landumgehen zur Übernahme, Jul als heilige Götterzeit, Schicksalsvorherbestimmung);

Finnboga saga ramma (14. Jh.); (spielt in der Besiedelungszeit; erwähnt wird das Kinderaussetzen, Wetterzauber, Glaube an sich selbst);

Ásmundar saga Kappabana (14. Jh.); (schon bei Saxo ähnlich überliefert, stellt diese Saga eine nordische Form der Hildebrandsgeschichte da, angehängt ist ihr Hildibrand Sterbelied; erwähnt ein verfluchtes Schwert);

Egils saga einhenda ok Ásmundar berserkjabana (14. Jh.); (erwähnt das Aufhängen des Besiegten als Óðinsopfer, eine heidnische Bestattung mit Pferd und Beigaben);

Ketils saga Hængs (14. Jh.); (erwähnt Trolle und Drachenkämpfe und das magische Schwert Dragvendill, Julopfer an einen Hügel um gute Ernte, Ablehnung der Opfer an Óðinn, Zauberei, Holmgang);

Hrómundar saga Gripssonar (aus einer Rímur von 1400 entstanden); (die Saga soll schon 1119 vorgetragen worden sein, weist Parallelen zu HH. II auf.);

Hrólfs saga kraka ok kappa hans (14. oder 15. Jh.); (Hrólf wird schon im Beowulfepos erwähnt; Valhollglaube, Glaube an eigene Macht, Zauberei).

Dies ist ein kleiner Ausschnitt der erhaltenen Geschichtsquellen, Sogur oder Viten. Die meisten dieser Schriften liegen noch immer nicht in deutscher Übersetzung vor.


Weitere Quellen

Neben den erwähnten historischen Schriftquellen können wir bedingt auch die zahlreichen Heldensagen heranziehen. Zwar finden sich darin in der Regel keine Kultbeschreibungen, aber das diesen Liedern zugrundeliegende Denken ist heidnisch. Hierzu gehören u. a. das Nibelungenlied, die Gudrunsage, die Wielandsage, Sagenkreis um Dietrich von Bern, die Helgisagen usw.

Interessante Einzelheiten sind auch aus in jüngeren Geschichtsquellen des 15. bis 18. Jh. zu finden, teilweise aber auch sehr verzerrt und fehlinterpretiert. Hierzu gehören z. B. Olaus Magnus Historia, Hartknochs Alt-Preußen, Grunaus Preußische Chronik, Crantz Wandalia, Gryses Spegel usw.

Leider oft etwas unterschätzt wird der Wert der Volkssagen, die sich in allen germanischen Regionen finden. Eine bekannte deutsche Sagensammlung veröffentlichten die Gebrüder Grimm, auch Kuhn, Schwarz und andere Forscher veröffentlichten Sagen. In ihnen finden wir noch häufig Hinweise auf Heiligtümer, Spukzauber, und selten auch auf heidnische Gottheiten.

Dann gelten auch die echten Volksmärchen als Quellen zum Heidentum, auch wenn hier fremder Einfluß oft vorhanden ist. Deutsche Märchen veröffentlichten z. B. die Gebrüder Grimm oder Ludwig Bechstein.

Schließlich ist das große Gebiet der Volkskunde eine Fundgrube für heidnische Bräuche, Zeremonien und Denkweisen. In manchen Gegenden wurden noch bis in unsere Tage z. B. Götter zum Erntefest angerufen usw.

In den Volksliedern besonders im skandinavischen Raum sind gleichfalls viele heidnische Vorstellungen erhalten. Selbst einzelne Gottheiten kommen in Liedern vor.

Sehr wichtig sind auch die Erkenntnisse der Archäologie, die mittlerweil Opferstätten, Heiligtümer, oder Siedlungen ausgegraben und untersucht hat.

Dies alles zeigt uns, daß gar nicht so wenig über das germanische Heidentum erhalten ist, wie oftmals behauptet wird, andererseits ist es eine Lebensaufgabe, alle diese Quellen kennenzulernen.

(© Allsherjargode Géza von Neményi)


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